Interview mit NRW-Innenminister: Jäger verteidigt Blitz-Marathon
VON DETLEV HÜWEL - zuletzt aktualisiert: 09.02.2012 - 16:47Düsseldorf (RPO). NRW-Innenminister Ralf Jäger (SPD) hat für Freitag eine 24-stündige Radarkontrolle angekündigt. Im Interview mit unserer Redaktion spricht er darüber, warum die Messstationen vorher veröffentlicht werden und weshalb die Aktion sinnvoll ist.
Herr Minister, in NRW soll es am Freitag eine landesweite Aktion zur Geschwindigkeitsmessung geben. Findet die Aktion trotz der Kälte überhaupt statt?
Jäger Ja sicher. Der 24-Stunden-Blitz-Marathon findet wie geplant von Freitag sechs bis Samstag sechs Uhr statt. Die Polizei verfügt über genügend Messgeräte, die bei Temperaturen unter zehn Grad voll funktionsfähig sind. Insgesamt wird an 1400 Stellen gemessen, und es werden knapp 3000 Beamte im Einsatz sein.
Kritiker behaupten, dass die Beamten sowie dauernd im Einsatz seien.
Jäger Es gibt einen Unterschied: Der Blitz-Marathon ist Teil einer langfristigen Strategie, die seit November die Zahl der Toten nachhaltig im Straßenverkehr senken soll. Zu hohe Geschwindigkeit von Autofahrern ist besonders für Fußgänger und Radfahrer gefährlich. Sie sind die schwächsten Verkehrsteilnehmer und müssen besonders geschützt werden.
Die Aktion am Freitag dauert 24 Stunden.
Jäger Das ist eine koordinierte Aktion der gesamten Polizei in NRW. Sie bedeutet aber nicht, dass nur heute intensiv geblitzt wird. Bisher war es so, dass die Ansprache der Verkehrsteilnehmer in jedem Fall durch die Beamten vor Ort erfolgte. An den Messpunkten waren acht Mitarbeiter erforderlich: die einen messen, die anderen winken raus und wieder andere bearbeiten den Vorgang. Jetzt wird gemessen, ohne in jedem Fall die Autofahrer anzuhalten. Dadurch bekommen wir mehr Kapazitäten.
Ist es sinnvoll, die Messstationen zu veröffentlichen?
Jäger Ja. Allein die Wahrnehmung, dass in den Medien darauf hingewiesen wird, führt dazu, dass vernünftiger gefahren wird. Das belegen wissenschaftliche Untersuchungen. Wir setzen bewusst auf Transparenz: Nicht mehr Knöllchen, sondern mehr Verkehrssicherheit ist unser Ziel.
Handelt es sich vor allem um jüngere Raser?
Jäger Die Menschen glauben, dass es immer die anderen sind, die rasen. Es gibt manche Verkehrsteilnehmer, die mit ihrem Verkehrsverhalten nahe am Irrsinn sind. Es gibt aber auch einen allgemeinen Hang dazu, die 50-Stundenkilometer-Grenze innerorts nicht zu beachten, sondern mit Tempo 60 oder 65 zu fahren. Das ist kein Kavaliersdelikt, denn genau diese Spanne zwischen 50 und 65 km/h entscheidet über Leben und Tod. Die bundesweit gestiegene Zahl von Verkehrstoten unter den Fußgängern und Radfahrern zwingt zum Handeln.
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