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Forschungsgruppe Wahlen: CDU verliert dramatisch in Kleinstädten - SPD gewinnt bei über 60-Jährigen

zuletzt aktualisiert: 09.05.2010 - 20:07

Bei der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen hat die CDU Rekordeinbußen. Gewinner sind einmal mehr die kleineren Parteien, die in der Summe so stark sind wie seit über einem halben Jahrhundert nicht mehr. Die Grünen holen ihr bestes NRW-Resultat. Auch wenn das endgültige Ergebnis in NRW noch nicht feststeht, lassen sich bereits wesentliche Gründe der Wahlentscheidung festhalten.

2005 profitierte die CDU noch von der großen Unzufriedenheit mit der rot-grünen Bundesregierung. Heute liegen die zentralen Ursachen für das Wahlergebnis in NRW selbst. Zwar gibt es an Rhein und Ruhr auch Unzufriedenheit mit der schwarz-gelben Bundesregierung, einen Denkzettel in Richtung Berlin wollten deshalb aber nur 15 Prozent der Befragten erteilen. Grundsätzlich war für 41 Prozent die Politik im Bund, aber für 55 Prozent war die Politik in NRW wichtiger.

Bürger verlieren Vertrauen an CDU-Kompetenz

Gründe für die CDU-Verluste liegen besonders bei dem Spitzenkandidat und der Partei selbst sowie an den teils massiven Vertrauensverlusten bei den beherrschenden Themen: Im Bereich Arbeitsmarkt liegen CDU (31 Prozent, minus sieben im Vergleich zu 2005) und SPD (27 Prozent, plus neun) jetzt fast auf einem Niveau, in der Schul- und Bildungspolitik hat die CDU mit nur noch 27 Prozent (minus 14) ihren Kompetenzvorsprung von 2005 klar an die SPD (34 Prozent; plus sechs) verloren.

Das zukünftige Schulsystem war für 78 Prozent der Bürger relevant bei der Wahlentscheidung. Die Griechenland-Krise hingegen nur für 56 Prozent, die CDU-Affären im Land nur für 38 Prozent.

SPD und Grüne verbessern Image

Die Regierungsparteien im Land werden heute ähnlich bewertet wie 2005. Hingegen können SPD und besonders deutlich die Grünen ihr Image in der schwarz-gelben Regierungszeit deutlich verbessern: 2005 waren die Grünen in einer Image-Skala mit minus 0,5 bewertet worden, jetzt erhalten sie einen Wert von plus 0,8. Die SPD kann sich von 0,7 vor fünf Jahren auf 1,4 steigern und wird damit auch deutlich besser eingestuft als die CDU. Die Christdemokraten erreichen heute fast unverändert 1,0 (2005: 0,9). Der liberale Regierungspartner bleibt mit minus 0,5 weiter im Negativbereich (2005: minus 0,3).

Rüttgers unglaubwürdig – Kraft sympathisch

Der Ministerpräsident kann weder die mäßige Regierungsbilanz noch die Kompetenzdefizite seiner Partei kompensieren, traf aber auch auf eine Herausforderin, die sich in extrem kurzer Zeit im Wahlkampf ein sehr positives Image erarbeiten konnte. Jürgen Rüttgers erreicht beim Ansehen einen Wert von 1,2. Damit bleibt er nicht nur klar hinter den Vorgängern Steinbrück (2005: 1,7), Clement (2000: 1,9) oder Rau (1995: 2,7) zurück, sondern auch hinter SPD-Landeschefin Hannelore Kraft mit jetzt 1,6. Die Gründe: Die SPD-Spitzenkandidatin polarisiert weniger stark und gilt als sympathischer und bürgernäher.

Rüttgers hat einen relativen Vorteil beim "Sachverstand" und der "Tatkraft", hat aber an Glaubwürdigkeit verloren. 40 Prozent wollten Jürgen Rüttgers, aber 43 Prozent Hannelore Kraft als zukünftige Regierungschefin - ein im Duell zwischen Amtsinhaber und Herausforderer eher ungewöhnlicher Befund.

CDU verliert in Kleinstädten dramatisch

Die CDU hat in fast allen Bevölkerungsgruppen heftige Einbußen. Besonders dramatisch: die CDU verliert 14 Prozentpunkte in den kleineren Städten und Gemeinden mit weniger als 50.000 Einwohnern. Auch bei Arbeitern und bei den 44- bis 59-Jährigen liegt die CDU bei minus 13 Prozent. Stark bleibt sie nur bei den über 60-Jährigen mit 43 Prozent. Ansonsten verfehlt die Partei überall sehr klar ihr Gesamtergebnis und wird nur noch von 24 Prozent der 18- bis 29-Jährigen gewählt.

SPD mit bestem Resultat bei über 60-Jährigen

Die SPD holt ihr bestes Resultat mit 40 Prozent (plus zwei) ebenfalls bei den über 60-Jährigen. In allen anderen Altersgruppen hat sie Verluste.

Grüne legen bei Jüngeren zu

Die Grünen können in den jüngeren und mittleren Altergruppen erheblich zulegen. Sie sind mit 18 Prozent bei den 30- bis 44-Jährigen inzwischen etwas stärker als bei den 18- bis 29-Jährigen (17 Prozent). Erfolgreich in dieser Gruppe der Jung- und Erstwähler sind mit sieben Prozent die Piraten, die FDP holt hier ebenfalls sieben Prozent (minus drei).

Linke besonders beliebt bei Arbeitslosen

Die Linke rekrutiert nach gewohntem Muster besonders stark bei Arbeitslosen und ist mit 16 Prozent hier fast so stark wie die CDU mit 17 Prozent.

Rot-Grün oder große Koalition?

Bei einer stark von der Bündnisdiskussion überlagerten Wahl erzielt Rot-Grün mit 44 Prozent Zustimmung eine ähnlich hohe Akzeptanz wie eine große Koalition mit 43 Prozent. Schwarz-Gelb fänden dagegen noch 31 Prozent gut, Schwarz-Grün nur 26 Prozent, eine Ampel 15 Prozent und Rot-Rot-Grün gerade 14 Prozent.

Dabei denken die Bürger in NRW in klassischen Kategorien: 81 Prozent der SPD- und 81 Prozent der Grünen-Anhänger befürworten Rot-Grün, 70 Prozent der CDU- und 89 Prozent der FDP-Anhänger beurteilen Schwarz-Gelb positiv.

Die Zahlen basieren auf einer telefonischen Befragung der Forschungsgruppe Wahlen unter 1510 zufällig ausgewählten Wahlberechtigten in NRW in der Woche vor der Wahl sowie auf einer Befragung von 9206 Wählern am Wahltag.

Quelle: Forschungsgruppe Wahlen/rm

 
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