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Nordrhein-Westfalen: Grüne wollen Karfreitagsruhe aufheben

VON GERHARD VOOGT - zuletzt aktualisiert: 14.04.2011 - 07:12

Bislang ist es in Nordrhein-Westfalen verboten, am Karfreitag Komödien und Kabarett auf der Bühne aufzuführen. Der Parteichef der Grünen im Land, Sven Lehmann will das ändern.

Sven Lehmann, Parteichef der Grünen in NRW, will die bestehenden Regeln ändern.  Foto: ddp-Archiv
Sven Lehmann, Parteichef der Grünen in NRW, will die bestehenden Regeln ändern. Foto: ddp-Archiv

Jeder Bürger solle den wichtigen christlichen Feiertag "nach seiner Fasson begehen" können. In Nordrhein-Westfalen ist ein heftiger Streit um die Karfreitagsruhe entbrannt. Anne Lütkes (Grüne), Chefin der Bezirksregierung in Düsseldorf, hatte die Kommunen und Kreise in einem Schreiben daran erinnert, dass an dem hohen kirchlichen Feiertag laut Feiertagsgesetz keine Unterhaltungsveranstaltungen durchgeführt werden dürfen.

Sven Lehmann, Parteichef der Grünen in NRW, setzt sich jetzt dafür ein, dass die Regel geändert wird. Jeder solle den Karfreitag "nach seiner Fasson begehen", sagte Lehmann im Gespräch mit unserer Redaktion. "Es kann nicht sein, dass die Minderheit der Leute, die christlichen Glauben aktiv praktiziert, der Mehrheit vorschreibt, wie sie den Tag zu verbringen hat, und ihr durch das Verbot bestimmter Veranstaltungen den Abend vermiest", sagte der Parteivorsitzende. Solche Vorschriften passten "nicht mehr in unsere Zeit und sollten abgeschafft" werden.

Das Festhalten an "alten Riten und Dogmen" sei "keine gute Werbung für die Kirchen, denen die Mitglieder nach immer neuen Skandalen davon laufen". Wenn Kabarett und Schauspiel nicht möglich seien, müsste man konsequenterweise auch das TV-Programm zensieren. "RTL zeigt am Karfreitag die Sendung ,Bauer sucht Frau' – das wird dem Karfreitag aus christlicher Sicht sicher auch nicht gerecht", sagte Lehmann.

Das Aalto-Theater Essen hatte die Premiere von Puccinis "Madame Butterfly" nach einem Hinweis der Bezirksregierung auf Gründonnerstag vorverlegt. Als verbotene Unterhaltung gilt jede Veranstaltung, "die angenehmen Zeitvertreib, Geselligkeit sowie Erholung und Entspannung vermitteln soll", heißt es in dem Schreiben der Bezirksregierung. Zulässig seien nur Veranstaltungen religiöser oder weihevoller Art oder sonst ernsten Charakters, die dem besonderen Wesen des Feiertags entsprächen. Auch in Düsseldorf wird über Aufführungen an Karfreitag diskutiert. In Aachen, Bonn, Dortmund, Köln, Oberhausen und Wuppertal finden keine Vorstellungen statt.

Die CDU in NRW wies den Vorstoß der Grünen zurück. Generalsekretär Oliver Wittke forderte die Kommunen auf, die Einhaltung der Karfreitagsruhe streng zu kontrollieren. "Die Achtung des Feiertags ist ein Bestandteil unserer christlich-jüdischen Identität", sagte der Unions-Politiker unserer Zeitung. Es sei "kein Zeichen von Modernität, sondern von kultureller Unwissenheit", wenn die Grünen die Karfreitagsruhe abschaffen wollten. "Wer der Zukunft gerecht werden will, muss die Vergangenheit kennen", erklärte Wittke.

Quelle: RP
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