NRW: Gymnasien: Turbo-Abitur soll bleiben
VON DETLEV HÜWEL - zuletzt aktualisiert: 27.11.2010 - 09:28Düsseldorf (RP). Auf das Angebot der rot-grünen Landesregierung, am "Schulversuch" zur Wiedereinführung des Abiturs nach neun Jahren (G 9) teilzunehmen, haben die Gymnasien bislang nicht reagiert. Dies geht aus einer Antwort von NRW-Schulministerin Sylvia Löhrmann (Grüne) an den FDP-Politiker Ralf Witzel hervor.
Die Ministerin gibt sich allerdings gelassen. Es sei nicht erstaunlich, dass bislang noch kein Antrag bei den Bezirksregierungen eingegangen sei, da zunächst in den schulischen und kommunalen Gremien beraten werden müsse. Über die Verlängerung entscheidet am Ende das Ministerium.
Die Anträge, so Löhrmann, könnten im Übrigen bis Ende 2010 eingereicht werden. Der FDP-Politiker Witzel glaubt nicht, dass so lange Zeit ist. Denn das Votum der Schule reiche nicht aus. Nötig sei auch die Zustimmung der Kommune, zumal die Rückkehr zum neunjährigen Abitur mit Kosten verbunden sei. Ab Mitte Dezember würden überdies kaum noch Ratssitzungen stattfinden; deswegen laufe die Frist tatsächlich bereits Mitte Dezember ab, so Witzel. Für ihn ist der Vorstoß von Löhrmann ein "Rohrkrepierer".
Auch Peter Silbernagel, Vorsitzender des Philologenverbandes NRW, hält es für ein Debakel der Ministerin, wenn weniger als zehn der insgesamt 630 Gymnasien mitmachten. Es sei im Übrigen "lächerlich", von einem Versuch zu sprechen. Denn jahrzehntelang habe es die neunjährige Gymnasialzeit gegeben. "Da gibt es nichts mehr auszuprobieren."
Die schwarz-gelbe Regierung hatte landesweit das "Turbo-Abi" (G 8) eingeführt und damit Unmut bei Lehrern, Schülern und Eltern ausgelöst. Hauptärgernis waren die Verdichtung des Unterrichtsstoffs in den Klassen fünf bis zehn sowie fehlendes oder unzureichendes Lernmaterial.
Da die rot-grüne Regierung im Landtag keine Mehrheit hat, betreibt sie Schulpolitik mit Hilfe der "Experimentierklausel" des Schulgesetzes. Löhrmann will maximal zehn Prozent der Gymnasien gestatten, zur alten Regelung zurückzukehren oder aber beide Formen – G 8 und G 9 – anzubieten.
Damit wolle die Ministerin nur die Verantwortung für das "Turbo-Abitur" auf die Schulen abwälzen, so Silbernagel. Auch Gabriela Custodis von der Landeselternschaft der Gymnasien stellt klar: "Die allermeisten Eltern wollen das nicht." Andernfalls wäre "das Chaos programmiert".

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