kalaydo.de Anzeigen stellen auto immobilien kleinanzeigen tiere ferienwohnungen inserieren
  RP Providing |  RP Shop |  PremiumCard |  RP Reise
         
  Newsletter |  RSS |  Mobil |  Apps
Abo & Service | Anzeigen | ePaper | Schulprojekte  
 
       
 
  Gast
Hannelore Kraft Panorma APN
  Foto: dapd, APN
Kommentare ()

Hannelore Kraft im Interview: "Hartz IV bleibt ein Thema der SPD"

zuletzt aktualisiert: 11.03.2010 - 07:27

Düsseldorf (RP). SPD-Landeschefin Hannelore Kraft spricht im Interview mit unserer Redaktion über ihre umstrittenen Plänen für schwer vermittelbare Bezieher von Hartz IV und zum Verhältnis der Sozialdemokraten zur Linkspartei vor der Landtagswahl am 9. Mai.

Frau Kraft, Sie kamen in Umfragen schon nahe an Ministerpräsident Rüttgers heran. Warum vergrätzen Sie Ihre Anhänger mit unabgestimmten Vorschlägen zu Hartz IV?

Kraft Ich vergrätze sie nicht. Im Gegenteil: Ich erhalte aus der Partei viel Zustimmung für meinen Vorstoß, der im Übrigen eng mit der Parteiführung abgestimmt ist.

Ihre Position ähnelt der Kampagne von FDP-Chef Westerwelle.

Kraft Dann haben Sie unseren Vorschlag nicht genau gelesen. Er ist das genaue Gegenteil von Herrn Westerwelle. Dort steht, dass wir einen sozialen Arbeitsmarkt brauchen. Der ist für die Menschen gedacht, die derzeit keine Perspektive auf einen Job im ersten Arbeitsmarkt haben, weil sie zu große Vermittlungshemmnisse haben.

Wie sieht Ihr Plan genau aus?

Kraft Um es deutlich zu sagen: Wir wollen keine regulären Arbeitsplätze verdrängen. Über die Einsatzmöglichkeiten der Langzeitarbeitslosen müssen die Städte und Gemeinden mit der Bundesagentur für Arbeit, der Wirtschaft, den Sozialverbänden und den Gewerkschaften entscheiden.

Sie sagen, jeder vierte Langzeitarbeitslose sei nicht vermittelbar. Darf eine Sozialdemokratin diese Gruppe einfach aufgeben?

Kraft Genau das tue ich nicht. Ich will als Sozialdemokratin diesen Menschen eine Chance geben. Auch sie haben ein Recht auf Arbeit.

Wer nicht vermittelbar ist, könnte sich als minderwertig empfinden.

Kraft Nein. Langzeitarbeitslose sollen in diesem sozialen Arbeitsmarkt einen sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplatz oberhalb der Ein-Euro-Grenze erhalten. Das ist eine gute Perspektive. Fragen Sie doch die Menschen selbst. Die haben mir das in vielen persönlichen Gesprächen immer wieder mitgegeben.

Die Entlohnung müsste deutlich über einem Euro pro Stunde liegen, sonst funktioniert das doch wohl nicht.

Kraft Ja, die Arbeit muss ordentlich bezahlt werden. Aber der Anreiz zu arbeiten besteht nicht ausschließlich im Geld. Ebenso wichtig ist: Die Menschen haben eine Aufgabe, einen geregelten Tagesablauf und soziale Kontakte, sie werden gebraucht. Das stärkt das Selbstwertgefühl ungemein. Vielleicht ist es dann ja auch möglich, sie später in den ersten Arbeitsmarkt zu bringen. Die bisherigen Ein-Euro-Jobs haben den Nachteil, dass sie grundsätzlich befristet und oft schon nach einem halben Jahr wieder beendet sind.

Kann das Ganze für Sie denn ein Gewinnerthema sein?

Kraft Ja, definitiv. Der Vorschlag, auf den wir uns in der NRW-SPD ja schon 2006 verständigt haben, wird sich durchsetzen.

Aber Sie ernten auch Kritik ...

Kraft Die Diskussion führt dazu, dass sich viele jetzt genauer mit unserem Vorschlag beschäftigen. Herr Westerwelle will einen Arbeitszwang. Wir wollen ein Recht auf Arbeit.

Wer soll denn die Kosten für Ihr Programm tragen? Die Kommunen?

Kraft Die Kommunen sind doch schon jetzt überlastet. Wir werden das genau durchrechnen. Und am Montag wird die Bundespartei dazu ein detailliertes Konzept unterbreiten.

Sind Sie dabei?

Kraft Ja, natürlich. NRW ist der größte Landesverband, und wir haben uns schon seit Jahren über den sozialen Arbeitsmarkt Gedanken gemacht. Das ist ein wichtiges Thema für uns und auch nicht neu. Wir erarbeiten unsere Vorschläge solide – anders als Herr Westerwelle.

Westerwelle will eine Arbeitspflicht. Das kostet gar nichts.

Kraft Westerwelle argumentiert nicht sauber. Zunächst wollte er eine Senkung der Hartz-IV-Sätze. Das geht nach dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts aber nicht. Im Gegensatz zu uns lehnt er Mindestlöhne kategorisch ab. Die FDP ist somit auf dem Weg in die Dumpinglohn-Gesellschaft. Das bedeutet: Es wird immer mehr sogenannte Aufstocker geben, denen die Unternehmen lediglich Dumpinglöhne zahlen. Den Rest müssen sich die Mitarbeiter als Bittsteller vom Staat holen. Das kann doch nicht in eine gute Zukunft für Deutschland führen.

Welcher Mindestlohn schwebt Ihnen eigentlich vor?

Kraft Das wollen nicht wir entscheiden, sondern über die Höhe flächendeckender Mindestlöhne soll nach britischem Vorbild eine unabhängige Kommission befinden.

Was ist mit den Hartz-IV-Beziehern, die gar nicht arbeiten wollen?

Kraft Die gibt es auch. Das bestreite ich gar nicht. Missbrauch muss und kann energisch bekämpft werden: Den Betreffenden werden bereits heute die Bezüge zum Teil drastisch gekürzt oder sogar gestrichen.

Sie sagen, die SPD suche nicht die Zusammenarbeit mit der Linken. Ihr Stellvertreter Joachim Ott hat aber dennoch das Gespräch mit den Linken gesucht...

Kraft Ich habe mit ihm darüber geredet, und er hat eingeräumt, einen Fehler gemacht zu haben. Damit ist das Thema erledigt. Interessanterweise ist er ja auch zu dem Ergebnis gekommen, dass die Linke nicht regierungsfähig ist.

Wenn es mit Rot-Grün nicht klappt, was wäre denn für Sie die zweitbeste Konstellation?

Kraft Damit befasse ich mich nicht. NRW braucht eine mutige Politik, insbesondere in der Bildung. Wir müssen auch den Umstieg in die ökologische Industriegesellschaft schaffen. Das geht am besten mit den Grünen.

Detlev Hüwel und Martin Kessler führten das Interview.

Quelle: RP

 
weitere Artikel
 
Links zu diesem Artikel
 

 
Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung:

       
Anzeige:

Aktuell bei RP Online
Grüne bekommen Finanzministerium in Kiel

"Dänen"-Ampel in Schleswig-Holstein

Grüne bekommen Finanzministerium in Kiel

Die Grünen sollen in Schleswig-Holstein das Finanzministerium übernehmen. mehr 

13 Männer gefesselt und erschossen

Neues Massaker in Syrien

Ungeachtet neuer diplomatischer Zwangsmaßnahmen werden in Syrien weiter Menschen ermordet. mehr 

Mehr Politik
Aus der Region

"Dänen"-Ampel in Schleswig-Holstein

Grüne bekommen Finanzministerium in Kiel

13 Männer gefesselt und erschossen

Neues Massaker in Syrien

Bundespräsident sorgt für Wirbel

Gauck vermisst ein Zeichen Israels

Möglicher Militäreinsatz in Syrien

USA weiter gegen militärisches Eingreifen

Videos

Video

Grefrather Eisbahn wird zur Filmkulisse

Die Schlittschuhläufer laufen eine Runde nach der anderen. Auf der Außenbahn des Grefrather Eisstadions ist dieses Mal alles etwas anders . ... mehr 

V.I.P Duisburg:"Der Checker" - von Vivien Daberkow

Sie kennen es mittlerweile alle. Casting-Shows gibt es noch und nöcher. Die Teilnehmer überschwemmen in der Hoffnung auf den ganz ... mehr 

Die Wahlergebnisse
Interaktive Wahlgrafik Landtagswahl 2010 screenshot RPO

So hat NRW 2010 gewählt

Unsere interaktive Wahlkarte bietet einen Überblick über alle Ergebnisse der Landtagswahl in NRW 2010 und 2005. mehr 

Mehr NRW-Politik

Mandat im Düsseldorfer Parlament frei geworden

SPD-Fraktionschef Römer wieder im Landtag

Bei der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen hatte der bisherige SPD-Fraktionschef Norbert Römer sein Mandat verloren, jetzt kann er doch wieder ins Parlament einziehen, weil ein Genosse zum Staatssekretär im Justizministerium ernannt wurde. mehr

 

Rückendeckung in der CDU für Ex-Minister

Röttgen will offenbar Partei-Vize bleiben

 

Armin Laschet will NRW-CDU wieder stark machen

"Jedes Land braucht eine gute Opposition"

 

Endgültiges Wahlergebnis in NRW

Die Sitzverteilung bleibt unverändert

 

Armin Laschet soll NRW-CDU-Krise beenden

"Können uns nicht in Depressionen ergehen"

 

An der Basis rumort es

NRW-CDU verärgert über Doppelspitze

Top-Services
 
Meistgelesen

Borussia Mönchengladbach

Borussias Gerüchteküche

Der neuerliche Reichtum macht aus dem Fußball-Bundesligisten ein Hort der Spekulationen um neue Spieler. An vielen Gerüchten ist jedoch nur wenig dran. Manager Eberl versucht mit viel Mühe, Geheimhaltung zu wahren. VON André Schahidi  mehr

 

Fortuna Düsseldorf so gut wie durch

Hertha geht im Kampf vor Gericht die Luft aus

 
 

Transfergerüchte in Gladbach

Wer geht mit Borussia auf Europa-Reise?

 

Transfergerüchte in der Bundesliga

Schalke will van der Vaart und Kalou

Meistkommentiert

Energiewende macht Elektrizität teuer

200.000 Hartz-IV-Empfänger ohne Strom

Die angestrebte Energiewende macht Elektrizität teuer - für viele Verbraucher so teuer, dass sie ihre Stromrechnung nicht mehr bezahlen können. Sie sitzen dann im Dunkeln. Von "Energiearmut" ist die Rede. mehr

 

Bildungsministerin unter Druck

Neue Plagiatsvorwürfe gegen Schavan

 
 
 

Drei Wochen nach Schüssen auf Ex-Freundin

26-jähriger Mann in Dorsten festgenommen