Landtagswahl in NRW: Heute geht es auch um Merkels Zukunft
VON MICHAEL BRÖCKER - zuletzt aktualisiert: 09.05.2010 - 14:56Die Landtagswahl wird zur Abstimmung über Griechenland und das Management der Kanzlerin. Angela Merkel steht vor einer Schicksalswahl. Was bleibt von der einst gelobten Krisenkanzlerin?
Sie ist zufrieden, lächelt viel und trinkt Rotwein. Am Donnerstagabend, in einem Restaurant im Berliner Westen, ist die Welt der Kanzlerin eine schöne. Angela Merkel spricht über die Verlässlichkeit, die gute Zusammenarbeit und die "wunderschönen Jahre" in der Regierung. Sie meint aber nicht Schwarz-Gelb. Merkel spricht über die große Koalition. In ihrer Rede auf der Geburtstagsfeier ihres früheren Sprechers, Thomas Steg, einem SPD-Mann, ist Nostalgie spürbar.
Die Flucht in die Vergangenheit – für Angela Merkel scheint das derzeit der hoffnungsvollste Ausweg aus einer ernsthaften Krise. Die Streitereien mit ihrem Koalitionspartner FDP waren gerade abgeklungen, da lässt das missratene Werben um die SPD für eine gemeinsame Finanzmarktreform und die scharfe Kritik an ihrer widersprüchlichen Haltung bei den Griechenlandhilfen den Nimbus Merkels als weitsichtige Problemlöserin schwinden.
Meinungsforscher sind sich einig: Morgen stimmen die aktiven der 13,3 Millionen wahlberechtigten Nordrhein-Westfalen auch über Angela Merkel ab. "Der allgemeine Frust in der Griechenland-Debatte ist groß", sagt Karl-Heinz Schöppner vom Institut TNS Emnid. Der Medienberater Michael Spreng erwartet nicht nur eine "Volksabstimmung über Griechenland", sondern auch eine Abstimmung über das Krisenmanagement der Regierung.
Einiges spricht dafür, dass Merkels Hellenenritt morgen Abend um 18 Uhr mit einem Sturz endet. Die drohenden Verluste für die Landesregierung wird sich die CDU-Kanzlerin teilweise ankreiden lassen müssen. War Merkel noch vor zwei Jahren der Leuchtturm in dem wütenden Sturm der Finanzkrise, so wird ihr zaudernder Kurs nun international als Brandbeschleuniger eines europäischen Feuers getadelt. Merkels Popularitätswerte entwickelten sich zuletzt umgekehrt proportional zu den Risikoaufschlägen für griechische Staatsanleihen.
Laut aktueller Forsa-Umfrage findet nur jeder Dritte, dass Merkel gut regiert. Noch im März hievte die "Bild"-Zeitung die 55-Jährige in Anlehnung an Otto von Bismarck als "eiserne Kanzlerin" auf einen Sockel. Kein Geld für die Griechen, lautete ihre Devise. Da verhandelte ihr Finanzchef Wolfgang Schäuble längst über Modelle, wie die Euro-Länder Milliarden für Athen bereitstellen können.
Der bizarre, technische Streit mit Schäuble über den Europäischen und den Internationalen Währungsfonds beeindruckte Kenner, aber verwirrte die Massen. Mal abgesehen davon, dass beide Ideen gut zusammengehen, nur eben nacheinander, wäre ein beruhigendes Wort an die Märkte hilfreicher gewesen. Ein Brüsseler Diplomat scherzte, aus "Madame Non" werde allmählich "Mrs. Who knows what." Zu Deutsch: Frau Weiß-nicht-Was.
Am meisten wurmte Merkel indes die Kritik von Peer Steinbrück. "Schlechtes Krisenmanagement" warf der Ex-Finanzminister ihr vor, ausgerechnet der SPD-Mann, mit dem sie so gut zusammenarbeitete und den sie so schätzt.
Bleibt die Frage: Womit punktet die Kanzlerin, wenn nicht mit ihrer stets gelobten Krisenkompetenz? Die Wahl morgen wird auch eine Antwort darauf geben, was die Menschen Merkel noch zutrauen. Sollte Schwarz-Gelb in Düsseldorf abgewählt werden, steht die Chefin des Berliner Bündnisses vor einer erneuten, politischen Häutung. Vielleicht gibt es eine Rückkehr zur Reformkanzlerin?
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum

