Wahlkampfauftakt der SPD: „Ihr seid der Hammer!”
VON GERHARD VOOGT - zuletzt aktualisiert: 11.04.2010 - 10:39Die Spitzenkandidatin der nordrhein-westfälischen SPD, Hannelore Kraft, hat mehr als 3000 Anhänger in der Düsseldorfer Philipshalle auf die heiße Phase des Landtagswahlkampfs eingestimmt. Beim Auftritt von „Culcha Candela” zeigten sich auch die Genossen in der ersten Reihe tanzfreudig.
Anni Külzhammer, die Mutter von Hannelore Kraft, begrüßte gerade ihren Schwiegersohn Udo per Handschlag, als in der Düsseldorfer Philipshalle das Licht ausging. Die Scheinwerfer richteten auf den Eingang, und aus den Lautsprechern tönte die Fußballer-Hymne „You never walk alone”. Unter dem tosenden Beifall der 3500 SPD-Unterstützer zog die Chefin der NRW-SPD in den Saal ein - gefolgt von den Spitzengenossen Andrea Nahles, Manuela Scheswig, Kurt Beck, Jens Böhrnsen und Erwin Sellering.
Die Philipshalle war gut gefüllt. „Wenn dennoch einige Plätze frei sind, liegt das daran, dass die Genossen heute schon überall in den Wahlkreisen Wahlkampf machen”, sagte DGB-Chef Guntram Schneider. Dafür waren auch manche Gäste gekommen, die sich weniger für Politik, aber sehr für das Musikprogramm interessierten. Immerhin spielte als Top-Act „Culcha Candela”.
Doch zunächst wurde die Halle mit einem Potpourri der Musicals, die in NRW aufgeführt werden, auf die Reden eingestimmt. Nach „We will Rock you” trat Kurt Beck als erster „Landesfürst” der SPD ans Rednerpult. Moderatorin Shary Reeves begrüßte ihn als „Mr. President” aus der Pfalz.
Beck forderte die Zuhörer zunächst auf, der Opfer des Flugzeugabsturzes von Polen zu gedenken. „Der Schmerz des polnischen Volkes ist auch unser Schmerz”, sagte Beck. Dann übernahm er den Part, die Zuhörer auf die Bildungspolitik der SPD einzuschwören. Er kenne die Situation, wenn man als Vater seinem Sohn die Hausaufgaben nicht erklären könne, sagte der frühere SPD-Vorsitzende. Alle Kinder müssten die Chance bekommen, durch Ganztagsangebote gefördert zu werden.
Jens Böhrnsen, Chef einer rot-grünen Bürgerschaft in Bremen, warb dafür, die Kommunen nicht finanziell auszutrocknen. Die NRW-Wahl müsse zu einem „klaren Stopp-Signal gegen die Chaos-Truppe in Berlin” werden, sagte der Bürgermeister. Wer die Städte dazu zwinge, Theater, Büchereien, Schwimmbäder und Jugendzentren zu schließen, raube ihnen die Möglichkeit, soziale Verantwortung zu übernehmen.
Erwin Sellering, Ministerpräsident von Mecklenburg-Vorpommern mit Wurzeln in Sprockhövel, nahm die Steuer- und Finanzpolitik der Bundesregierung ins Visier. Die FDP sei es nach der Bundestagswahl lediglich darum gegangen, Steuergeschenke an besser Verdienende zu verteilen. Die Antworten auf die Krise müssten sozialdemokratisch sein. Sellering forderte gesetzliche Mindestlöhne und die Eindämmung von Fristverträgen für junge Leute. In der Arbeitsmarktpolitik gebe es riesige Unterscheide zur CDU.
Den meisten Beifall der angereisten Politprominenz erhielt der Berliner Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit. Die NRW-Wahl sei eine „Schicksalswahl für Deutschland”, rief er in den Saal. „Rüttgers hat die Kommunen ausgeraubt, das muss ein Ende haben.” Deutschland brauche im Bundesrat eine Ministerpräsidentin aus NRW, die „Nein sagen kann zur unsozialen Gesetzgebung” der Bundesregierung.
Der Auftritt von „Culcha Candela” verwandelte die Philipshalle in einen großen Tanzsaal. In der ersten Reihe bewegten sich SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles und Klaus Wowereit bei „Sie hat den Monsterbody mit dem Monsterblick” sicher zu den Rhythmen. Hannelore Kraft schunkelte mit Mutter Anni, ihrem Mann Udo und Sohn Jan. Nach „Hammer” trat sie ans Rednerpult und rief in den Saal: „Ihr seid der Hammer”!
Kraft forderte die Genossen auf, sich vom „Koalitionsgequatsche” und von den Umfragen nicht „einlullen” zu lassen. CDU und FDP seien „ganz schön nervös”, deshalb würden sie im Wahlkampf Ängste schüren und einen „Schulkrieg” herbeireden.
Selbstkritisch räumte Kraft zunächst ein, es habe Gründe dafür gegeben, warum die SPD 2005 nach 29 Jahren abgelöst worden sei. Sie skizzierte die Vision ihres Regierungsprogramms, wobei sie nach jeden Abschnitt mit den Worten abschloss: „Dafür lohnt es sich zu kämpfen, und dafür werden wir kämpfen.”
Die beste Stimmung kam auf, als sich Kraft über Jürgen Rüttgers lustig machte. Der hatte angekündigt, sich für den Erhalt des Volkslieds einzusetzen und „Nehmt Abschied, Brüder” sein Lieblingslied genannt. Genüsslich empfahl Kraft der „CDU-Riege”, das Lied schon mal einzustudieren, damit man es am Wahlabend vortragen könne.
Kraft schloss ihre Rede mit dem Dank an die SPD-Mitgleider, das man ihr 2005 die Führung der Fraktion und 2007 die Leitung der Partei anvertraut habe. „Jetzt verlasse ich mich auf Euch!”, rief Kraft den Unterstützern zu. Nach den derzeitigen Umfragen haben SPD und Grüne keine gemeinsame Mehrheit. Eine Antwort auf die Frage, ob sie möglicherweise mit der Linkspartei regieren würde, beantwortete Kraft auch an diesem Nachmittag nicht.
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