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Röttgen, Laschet, Krautscheid Kombo Panorama
  Foto: APN/AP
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NRW-CDU sucht neuen Vorsitzenden: Jetzt ist die Zeit der stillen Telefonate

zuletzt aktualisiert: 20.07.2010 - 14:59

Die NRW-CDU sucht einen neuen Chef. Das Rennen zwischen den drei Kandidaten Röttgen, Laschet und Krautscheid ist derzeit völlig offen. Hinter der Kulissen sammeln sie leise, still und heimlich ihre Truppen. An diesem Dienstag entscheidet der Landesvorstand über das Prozedere bis zum Tag der Entscheidung.

Noch-Landeschef Jürgen Rüttgers wurde nach seinem unfreiwilligen Abschied als Ministerpräsident gefeiert. Sein Verdienst: Er hatte die traditionell gespaltene Landes-CDU zu einer schlagkräftigen Truppe geeint. Diese Zeiten sind augenscheinlich vorbei. Wie schon 1999 muss ein öffentlicher Wettstreit über den Vorsitz entscheiden.

Ironische Note: Offiziell gibt es noch gar keinen Bewerber. Doch bereiten sich in den Hinterzimmern drei Christdemokraten für eine denkbare Kandidatur vor. Bundesumweltminister Norbert Röttgen, NRW-CDU-Generalsekretär Andreas Krautscheid und Ex-Integrationsminister Armin Laschet gelten allesamt als Anwärter auf das Amt des CDU-Landesvorsitzenden - und damit des voraussichtlichen Spitzenkandidaten der nächsten Landtagswahl.

Die Lage ist unklar

Am 2. Oktober soll der neue Landesvorsitzende auf einem Landesparteitag gewählt werden. Dieser Termin sollte am Dienstagabend vom CDU-Landesvorstand festgelegt werden. Vor der Wahl im Herbst werden sich die möglichen Kandidaten auf acht Regionalkonferenzen der Parteibasis präsentieren. Bewerbungsschluss für die CDU-Spitze ist Ende August. Mit der Personalie soll der Neuanfang des größten CDU-Landesverbands nach der herben Niederlage bei der Landtagswahl am 9. Mai beginnen.

Bislang hat keiner der potenziellen Bewerber offiziell seinen Hut in den Ring geworfen. Man wartet ab. Es ist die Stunde der Vier-Augen-Gespräche und vertraulichen Telefonate. Ohne großes Aufsehen werden Unterstützer mobilisiert und Absprachen getroffen. Das Rennen ist offen.

Ein CDU-Insider bringt die Lage so auf den Punkt: "Rüttgers ist für Krautscheid, die NRW-CDU-Landesgruppe in Berlin ist für Röttgen und Laschet ist für sich selbst." Die Mehrheitsverhältnisse im Landesverband sind unklar.

Linssen wirft sich für Krautscheid in die Bresche

"Bis jetzt muss man davon ausgehen, dass möglicherweise sogar alle drei gegeneinander antreten", sagt ein Mitglied des erweiterten CDU-Landesvorstands. Mit Kanzleramtsminister Ronald Pofalla, der vor einigen Wochen ins Gespräch gebracht worden war, werde nicht mehr gerechnet. Pofalla habe in Berlin mehr als genug zu tun.

Öffentlich haben sich bisher nur die Krautscheid-Anhänger zu ihrem Kandidaten bekannt. Die Junge Union (JU) forderte den ehemaligen Landesminister und Ex-Rüttgers-Regierungssprecher zur Kandidatur auf. Krautscheid sei der Richtige, die CDU als Landesvorsitzender in die Auseinandersetzung mit der rot-grünen Landesregierung zu führen, sagte JU-Landeschef Sven Volmering. "Andreas Krautscheid ist ein exzellenter Mann, der die nötige Härte für das Amt hat und die CDU inhaltlich profilieren kann", lobte Ex-Finanzminister Helmut Linssen.

Krautscheid ist unbekannt

Für den 49-jährigen Krautscheid spricht die landespolitische Erfahrung. Laut einer Umfrage von Infratest dimap sprechen sich aber nur neun Prozent der NRW-Bürger für den Ex-Bundestagsabgeordneten aus. Mehr als zwei Drittel der Befragten kennen Krautscheid nicht.

Favorit in der aktuellen WDR-Umfrage ist Röttgen, der nach Angaben aus Parteikreisen auch schon signalisiert haben soll, im Herbst antreten zu wollen. 37 Prozent der Befragten fänden den 45-Jährigen als Rüttgers-Nachfolger gut. Röttgen hatte sich 2009 bereits gegen Krautscheid beim Rennen um den CDU-Bezirksvorsitz Mittelrhein durchgesetzt. Er soll sich zudem bereits prominente Unterstützung in Person von Ex-Minister Oliver Wittke und Friedrich Merz gesichert haben.

Alle drei sind modern

Auffällig ist, dass Krautscheid, Röttgen und Laschet eigentlich alle drei für das stehen, was bei konservativen Christdemokraten als moderne Großstadt-CDU in Verruf geraten ist. Die drei Politiker sind allesamt offen für mögliche künftige schwarz-grüne Bündnisse, Krautscheid vielleicht etwas weniger als Röttgen und Laschet.

Unklar ist, wen Fraktionschef Karl-Josef Laumann unterstützt. Laumann hatte sich in einer Kampfabstimmung knapp gegen Laschet durchgesetzt. Der Bundeschef der CDU-Arbeitnehmerschaft (CDA) strebt selbst nicht nach dem Landesvorsitz.

Egal, wer im Oktober das Rennen macht - auf den neuen CDU-Landeschef kommt eine hoch komplizierte Aufgabe zu. In Zeiten einer weithin unpopulären schwarz-gelben Bundesregierung muss er die Union an Rhein und Ruhr wieder aus der Depression führen. Dass die CDU am 9. Mai rund eine Million Wählerstimmen gegenüber der letzten Landtagswahl verloren hat, steckt den Mitgliedern noch in den Knochen. Da sich die Gerüchte halten, dass Rot-Grün bald Neuwahlen anstrebt, bleibt dem neuen NRW-CDU-Chef womöglich wenig Zeit.

Quelle: DDP/pst

 
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