kalaydo.de Anzeigen stellen auto immobilien kleinanzeigen tiere ferienwohnungen inserieren
  RP Providing |  RP Shop |  PremiumCard |  RP Reise
         
  Newsletter |  RSS |  Mobil |  Apps
Abo & Service | Anzeigen | ePaper | Schulprojekte  
 
       
 
  Gast
Kraft regierungserklärung NRW Panorama, dapd 2010-0916
  Foto: dapd, dapd
Kommentare ()

Rot-Grün in NRW: Kraft – eine erste Bilanz

VON DETLEV HÜWEL - zuletzt aktualisiert: 18.10.2010 - 06:55

NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) regiert seit rund 100 Tagen – bislang unangefochten. Sie will weiterhin mit Augenmaß Politik machen. Für die Opposition ist sie die "Schulden-Queen".

Vor einem Jahr noch galt sie politisch als verschollen. "Wo ist eigentlich Hannelore Kraft?", fragten Beobachter der Landesszene mit einer Mischung aus Verwunderung und Häme. Inzwischen ist die SPD-Landeschefin Nordrhein-Westfalens erste Ministerpräsidentin, Chefin des Bundesrats und rangiert im ZDF-Politbarometer unter den Top Ten der beliebtesten Politiker.

"Regieren ist klasse", frohlockt die 49-jährige Mülheimerin. Allerdings hatte man sie erst zum Jagen tragen müssen. Kraft wollte nach den gescheiterten Sondierungsgesprächen mit Linkspartei, FDP und CDU "Politik aus der Opposition heraus" betreiben. Hätte die resolute Grünenpolitikerin Sylvia Löhrmann – inzwischen Schulministerin und Stellvertreterin der Regierungschefin – nicht massiven öffentlichen Druck ausgeübt, säße Hannelore Kraft womöglich noch immer auf der Oppositionsbank.

Loveparade überschattet erste Wochen

Die ersten Wochen ihrer Regierungsarbeit waren von der Loveparade-Katastrophe in Duisburg überschattet. Kraft war an jenem Schreckenssamstag auch persönlich betroffen, wusste sie doch ihren Sohn Jan in dem Menschengetümmel. Bei der Trauerfeier für die 21 Opfer fand sie die richtigen Worte: authentisch, mitfühlend, tröstend.

Hannelore Kraft will für einen neuen Stil in der Politik sorgen. Bei einem Treffen mit führenden Kommunalvertretern gelang es ihr auf Anhieb, das Vertrauen der gebeutelten Kommunen zu gewinnen. Peter Jung, CDU-Oberbürgermeister von Wuppertal, äußerte sich geradezu euphorisch über die gute Gesprächsatmosphäre; endlich würden die Kommunen ernst genommen.

Das war ein klarer Punktsieg für Kraft, die zwar keine neuen finanziellen Zusagen machen kann, aber dennoch den Kommunen das Gefühl vermittelt, endlich "auf Augenhöhe" miteinander zu reden.

Es sind die kleinen Gesten, die auffallen. Nach der Jungfernrede eines SPD-Abgeordneten im Landtag eilte die Ministerpräsidentin zu dessen Pult, um ihm herzlich zu gratulieren. Kraft will "geerdet" bleiben und ihre Besuche in Betrieben und Unternehmen fortsetzen, die sie vor der Landtagswahl begonnen hat. Einmal im Monat wird sie einen Tag lang mit den Menschen reden, deren "Lebenswirklichkeit eine ganz andere" sei als etwa die in Düsseldorf. "Tatkraft-Tage" nennt sie das.

Frauen, so sagt Kraft, seien pragmatischer als Männer und hörten mehr "auf Herz und Bauch". Doch der Sanftmut der leutseligen Landesmutter, die sich freut, wenn Bürger sie auf der Straße ansprechen, sollte nicht darüber hinwegtäuschen, dass sie als Regierungschefin knallhart sein kann. Das bekam auch ihr Arbeitsminister, der frühere DGB-Landeschef Guntram Schneider (SPD), zu spüren.

Schneider wollte die Sprecherin der NRW-Grünen für die Presseabteilung seines Ministeriums engagieren, doch Kraft bremste ihn im letzten Moment aus. Ihm wurde bedeutet, dass die Stelle nicht an die Grünen vergeben wird. Das war eine schwere Schlappe für den Arbeitsminister, aber auch die Grünen fühlten sich düpiert. Manch einer erinnerte sich düster an die rot-grünen Zeiten vor 2005, als die SPD den Juniorpartner herablassend behandelt habe.

Das rot-grüne Damenduo Kraft-Löhrmann ist fest entschlossen, mit der Gemeinschaftsschule neue Wege zu gehen. Die Opposition befürchtet, dass die zur Einheitsschule führen. Nicht minder besorgt zeigen sich CDU und FDP über den Schuldenkurs. Kraft, die die Rolle des "vorsorgenden Staats" ausbauen will, fehle jeder Wille zum Sparen, kritisieren die beiden Oppositionsparteien, die Kraft als "Schulden-Queen" bezeichnen.

Die Nagelprobe für den Fortbestand der Koalition wird der Etat fürs nächste Jahr sein. Auch hier braucht Rot-Grün die Unterstützung der Linken. Legen sie sich quer, dürfte es zu Neuwahlen kommen.

Während noch nicht absehbar ist, wer in diesem Fall für die CDU ins Rennen geht – Armin Laschet oder Norbert Röttgen –, steht die Spitzenkandidatin der SPD natürlich fest.

Quelle: RP

 
weitere Artikel
 
Links zu diesem Artikel
 

 
Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung:

       
Anzeige:

Aktuell bei RP Online
Verwirrung um angebliche Fälschung

Wirbel um neues Grass-Gedicht

Verwirrung um angebliche Fälschung

Mit seinem neuen Gedicht "Europas Schande", das sich mit der Griechenlandpolitik befasst, hat Grass für Aufsehen gesorgt. mehr 

Israels Botschafter warnt vor Antisemitismus

Joachim Gauck reist ins Heilige Land

Israels Botschafter warnt vor Antisemitismus

Bundespräsident Joachim Gauck ist nach Israel aufgebrochen. mehr 

Videos

Video

Grefrather Eisbahn wird zur Filmkulisse

Die Schlittschuhläufer laufen eine Runde nach der anderen. Auf der Außenbahn des Grefrather Eisstadions ist dieses Mal alles etwas anders . ... mehr 

Video

Gefangen im Monster-Stau von Peking

In Chinas Hauptstadt gibt es nicht nur viele Menschen, sondern auch ziemlich viele Autos. Kein Wunder also, dass es dort immer wieder zu ... mehr 

Die Wahlergebnisse
Interaktive Wahlgrafik Landtagswahl 2010 screenshot RPO

So hat NRW 2010 gewählt

Unsere interaktive Wahlkarte bietet einen Überblick über alle Ergebnisse der Landtagswahl in NRW 2010 und 2005. mehr 

Mehr NRW-Politik

Rückendeckung in der CDU für Ex-Minister

Röttgen will offenbar Partei-Vize bleiben

Der als Bundesumweltminister entlassene CDU-Politiker Norbert Röttgen erwägt einem Medienbericht zufolge beim Parteitag im Herbst eine erneute Kandidatur für das Amt des Vize-Bundesvorsitzenden. mehr

 

Armin Laschet will NRW-CDU wieder stark machen

"Jedes Land braucht eine gute Opposition"

 

Endgültiges Wahlergebnis in NRW

Die Sitzverteilung bleibt unverändert

 

Armin Laschet soll NRW-CDU-Krise beenden

"Können uns nicht in Depressionen ergehen"

 

An der Basis rumort es

NRW-CDU verärgert über Doppelspitze

 

Debatte um Röttgen-Nachfolge in NRW

CDU-Basis kritisiert "Hinterzimmer-Entscheidung"

Top-Services
 
Meistgelesen

Ex-Trainer von Hertha BSC Berlin

Rehhagel bereut Auftritt vor DFB-Gericht

Trainer-Altmeister Otto Rehhagel hat nach seiner gescheiterten Rettungsmission das Kapitel Hertha BSC für sich abgeschlossen. "Für Hertha beginnt eine neue Zeitrechnung – ohne Otto Rehhagel , sagte der Coach in einem Interview. mehr

 

Politische Punktevergabe beim Eurovision Song Contest

Anke Engelke: "Europa beobachtet Dich"

 

Nach Attacke am Hauptbahnhof

Jugendliche seit zwei Tagen auf der Flucht

 

Nach Solarstromrekord droht Aufschlag

Warum Strom immer teurer wird

 

Deutsche acht Jahre als Sklavin gehalten

"Sie haben sie wie ein Pferd eingespannt"

Meistkommentiert

Stress-Ranking der Unternehmen

Burnout belastet NRW-Wirtschaft

Eine Untersuchung zeigt, wie stark Mitarbeiter von Konzernen durch zu viel Arbeit und Stress belastet sind. In NRW liegen Eon und ThyssenKrupp vorne beim Stressranking, doch auch RWE, Henkel und Bayer sind betroffen. Fast alle Unternehmen legen ... Von Andreas Gruhn und Reinhard Kowalewsky  mehr

 
 

Fortuna Düsseldorf

Fortuna verpflichtet Bruno Soares

 

CSD in Düsseldorf

"We are Europe! Are we Europe?"

 

Scharfe Kritik an Assad-Regime

UN-Sicherheitsrat verurteilt Massaker in Hula