Interview mit NRW-Gesundheitsminister: Laumann kann sich Gesundheitsprämie vorstellen
zuletzt aktualisiert: 27.04.2010 - 09:03NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) kann sich die Einführung einer Gesundheitsprämie vorstellen. Um eine Zwei-Klassenmedizin zu vermeiden, müsse man über andere Finanzierungsmöglichkeiten nachdenken als eine Erhöhung der Lohnnebenkosten, erklärte er im Interview mit unserer Redaktion.
Wird es eine Gesundheitsprämie geben?
Laumann Wir können nicht daran vorbei sehen, dass die Medizin in den vergangenen 20 Jahren enorme Fortschritte gemacht hat, beispielsweise bei der Versorgung von Herz- und HIV-Patienten. Das verursacht Kostensteigerungen. Wenn wir wollen, dass Kranke auch in Zukunft bestmöglich auf dem neuesten Stand der Medizin versorgt werden, dann müssen wir weitere Kostensteigerungen bewältigen. Wir müssen uns darüber Gedanken machen, wie wir diese finanzieren wollen. Eine Gesundheitsprämie wäre eine mögliche Idee.
Wollen Sie die Kostensteigerungen über eine Prämie finanzieren?
Laumann Wir haben über Jahre hinweg und auch heute noch zu dem Grundsatz gestanden, dass jedem Kranken – unabhängig von Alter und Einkommen – jede notwendige medizinische Versorgung zusteht. Gleichzeitig ist in den letzten Jahren ein rasanter medizinischer Fortschritt zu verzeichnen, der Kosten verursacht. Wir müssen darüber nachdenken, wie wir diesen medizinischen Fortschritt weiterhin allen Menschen ermöglichen können. Bislang sind die Beiträge ausschließlich über die Lohnnebenkosten finanziert worden. Die Lohnnebenkosten dürfen nicht weiter steigen. Um den Weg in die Zwei-Klassenmedizin zu vermeiden, müssen wir über andere Finanzierungsmöglichkeiten nachdenken, wobei eine Gesundheitsprämie für die zukünftigen Kosten vorstellbar wäre. Unabdingbare Voraussetzung ist aber, dass es einen gerechten und unkomplizierten Sozialausgleich für diejenigen gibt, die nicht in der Lage sind, eine Gesundheitsprämie zu zahlen.
Wie kann ein Ausgleich aussehen?
Laumann Die Leute dürfen nicht zu Bittstellern werden. Es darf auch keine große Bürokratie dadurch ausgelöst werden. Außerdem muss klar sein, wie dieser Sozialausgleich aus dem Bundeshaushalt finanziert werden kann.
Die Praxis-Ärzte in Nordrhein klagen, dass ihre Honorare zu niedrig sind. Können Sie denen helfen?
Laumann Das habe ich nicht in der Hand. Die Verteilung der Arzthonorare ist eine Aufgabe der Kassenärztlichen Vereinigungen. Als vor zwei Jahren rund drei Milliarden Euro zusätzlich ins System gegeben wurden, hat die Selbstverwaltung das so verteilt, dass in Nordrhein und in Westfalen so gut wie nichts angekommen ist. Dieser Wahnsinn hat dazu geführt, dass die Ärzte das Vertrauen in ihre Kassenärztliche Vereinigung verloren haben. Ich fordere, dass die Fehlentscheidung revidiert wird und dass die Honorare der Ärzte gerechter auf die einzelnen Länder verteilt werden.
Michael Bröcker und Eva Quadbeck führten das Interview
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