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Turbo-Abitur: Nur zehn Gymnasien wollen G9 zurück

VON FRANK VOLLMER - zuletzt aktualisiert: 13.11.2010 - 13:45

Dortmund (RP). Die Ankündigung der rot-grünen Landesregierung, den Gymnasien eine Rückkehr von der achtjährigen (G8) zur neunjährigen Schulzeit (G9) zu ermöglichen, stößt nur auf geringe Resonanz. Bisher hätten sich „circa zehn“ Gymnasien beim Schulministerium gemeldet, die Interesse daran hätten, ab dem kommenden Schuljahr wieder G9 anzubieten, sagte Schulministerin Sylvia Löhrmann (Grüne) am Samstag bei einer Veranstaltung der Landeselternschaft der Gymnasien in Dortmund. Möglich ist die Teilnahme von bis zu 60 Schulen.

Die rot-grüne Minderheitsregierung will den Gymnasien erlauben, sich zum Schuljahr 2011/12 einmalig für G8 („Turbo-Abitur“) oder G9 oder eine Wahlmöglichkeit zwischen beiden Bildungsgängen zu entscheiden. Das soll auf dem Wege eines im Gesetz vorgesehenen Schulversuchs geschehen – für ein entsprechendes Gesetz fehlt Rot-Grün im Landtag die Mehrheit.

Löhrmann deutete aber an, dass die Wahlmöglichkeit für die Gymnasien verlängert werden könnte, falls dieser Wunsch massiv geäußert werde. Von Seiten der Eltern wurde in Dortmund vor allem Kritik an dem straffen Zeitplan des G9-Versuchs geäußert: Die Schulkonferenzen sollen sich bis Ende November entscheiden, ob sie an dem Projekt teilnehmen - bis zu den Anmeldungen Anfang des Jahres sollen die Eltern der Viertklässler wissen, welches Schule welches Angebot hat.

Löhrmann hält an schwarz-gelben G8-Plänen fest

Ein Elternvertreter aus Iserlohn sagte, die Wahl zwischen G8 und G9 sei für seine Schule die zwischen „Pest und Cholera“ gewesen; das Votum, bei G8 zu bleiben, bedeute nicht, dass man das „Turbo-Abitur“ für gut umgesetzt halte. Löhrmann erwiderte darauf, sie habe sich entschlossen, grundsätzlich an der von Schwarz-Gelb eingeführten G8-Variante mit verkürzter Mittelstufe festzuhalten, um die Schulen nicht „zum zweiten Mal durch die Veränderungsmühle“ zu drehen.

Thema war auch die von Rot-Grün geplante neue Gemeinschaftsschule, in der Kinder bis mindestens Klasse 6 zusammen lernen und die den Weg zum Abitur eröffnen soll. Die Landeselternschaft fürchtet, dass Gemeinschaftsschulen den Gymnasien Schüler wegnehmen und dass dadurch Gymnasien gefährdet sind. Gabriela Custodis, die scheidende Vorsitzende der Landeselternschaft, forderte daher eine Bestandsgarantie für die Gymnasien in NRW. Das sei der „wichtigste Wunsch“. Unsicherheit über die Zukunft der Schule behindere die pädagogische Arbeit.

Löhrmann lehnte eine solche Garantie erneut ab. Das Wahlergebnis vom Mai beinhalte die „Legitimation, Veränderungen vorzunehmen“. Sie sagte aber: „Wir schließen von Landesebene keine Schule und keine Schulform.“ In dieser Hinsicht könnten die Eltern „ganz beruhigt“ sein. Entscheidungen über die Schulstruktur träfen die Träger, also meist die Kommunen. Deren Votum sei für das Ministerium entscheidend; sie verspreche, sagte Löhrmann, dass alle Anträge auf Gemeinschaftsschulen „nüchtern geprüft“ würden.

Zudem sähen die Richtlinien für die Etablierung von Gemeinschaftsschulen vor, dass keine Schulform in der Umgebung durch die neue Schule gefährdet sein dürfe. Die Hürden für die Gemeinschaftsschule seien also „sehr hoch“, man werde keine Schulen „am Bedarf vorbei“ gründen. Löhrmann sagte, manche Bedenken gegen die Gemeinschaftsschule seien „vorgeschoben“ - es komme vor, dass Schulen Existenzängste vorbrächten, die schon lange Probleme hätten.

Zu Custodis' Nachfolger an der Spitze des Verbands wählte die Landeselternschaft den 51-jährigen Studiendirektor Uwe Maerz aus Bielefeld. Seine Amtszeit läuft zwei Jahre.


 
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