Die Zukunft der NRW-CDU: Pakt gegen Norbert Röttgen
VON MICHAEL BRÖCKER - zuletzt aktualisiert: 15.07.2010 - 07:48Laschet, Röttgen oder Krautscheid? Hinter den Kulissen spitzt sich der Machtkampf zu. Die Bezirkschefs der Landespartei beraten am Freitag über den Fahrplan und die Kandidaten für den Vorsitz. Norbert Röttgen ist nicht dabei. Seine Gegner könnten das nutzen – zum Beispiel Ronald Pofalla.
Wenn am Freitagmorgen um 8.30 Uhr in der Düsseldorfer Wasserstraße die acht Bezirkschefs der NRW-CDU zur Beratung zusammenkommen, fehlt ein prominentes Mitglied: Norbert Röttgen. Der Bundesumweltminister und Vorsitzende des Bezirks Mittelrhein weilt mit Kanzlerin Merkel in Russland, während die heimischen Parteifreunde über die Zukunft des Landesverbands beraten.
Da Röttgen selbst als Kandidat für den Vorsitz gehandelt wird, befürchten seine Unterstützer an Rhein und Ruhr nun, dass sich die Runde in seiner Abwesenheit gegen ihn verschwören könnte. Als Strippenzieher haben sie Kanzleramtsminister Ronald Pofalla in Verdacht. Der wird, anders als bei der vergangenen Bezirkssitzung, dabei sein.
Berliner Importe unerwünscht
Der Merkel-Vertraute ist CDU-Chef am Niederrhein und will, so ist es in der Partei vom Hochsauerlandkreis bis in die Aachener Soers zu hören, Röttgen verhindern. Ein führender CDU-Mann formuliert es diplomatisch: "Pofalla arbeitet für eine NRW-Lösung." Heißt: Der Nachfolger des scheidenden Jürgen Rüttgers soll aus dem Land kommen, Berliner Importe unerwünscht.
Dass sich ausgerechnet der Kanzleramtschef, quasi der Inbegriff eines Bundespolitikers, nun für die Düsseldorfer Lösung einsetzt, gilt einigen Parteifreunden als Beleg für die These, dass Pofalla Röttgen nicht möchte.
Dabei waren die beiden etwa gleich Alten (Röttgen ist Jahrgang 1965, Pofalla 1959) meist Verbündete. 1992 löste Röttgen Pofalla als Chef der Jungen Union in NRW ab. 1994 zog der Rheinländer Röttgen als Neuling in den Bundestag ein und wurde vom Niederrheiner Pofalla angelernt. Als der Jurist aus Meckenheim rechtspolitischer Sprecher der Bundestagsfraktion wurde, war der Jurist aus Weeze Justiziar. Man sah sich täglich.
Eine Parallel-Karriere, die selten ist und eigentlich zusammenschweißen müsste. Beide gelten überdies als besonnene Charaktere, gesellschaftspolitisch progressiv verortet. Sie trafen sich später in der schwarz-grünen "Pizza-Connection" und im "Leichlinger Kreis", jenem Zirkel liberaler CDU-Politiker, die im Umfeld der Vorsitzenden Merkel rasch Karriere machten.
Abgekühltes Verhältnis
Ein Zerwürfnis ist nicht bekannt. Sie seien "halt Konkurrenten" geworden, meint einer, der beide kennt: "Ganz oben ist die Luft dünner." Das Verhältnis zwischen dem Kanzleramts-Chef und dem Chef des Umweltressorts kühlte sich in der Regierung tatsächlich ab, wie der öffentliche Schlagabtausch in der Atomfrage neulich bewies.
Nun will Pofalla, der selbst keine Ambitionen auf den Vorsitz hegt, den Profilierungsspielraum Röttgens einengen. Angeblich hat er sich dafür mit Andreas Krautscheid verbündet, dem Generalsekretär der NRW-CDU. Krautscheid, im Herbst 2009 im Kampf um den Vorsitz der CDU-Mittelrhein Röttgen unterlegen, würde gerne zum Landeschef aufrücken.
"Die Achse Pofalla-Krautscheid verfestigt sich", sagt ein CDU-Mann. Zu den Unterstützern Krautscheids gehören NRW-Ministerpräsident a.D. Jürgen Rüttgers, der scheidende Finanzminister Helmut Linssen und wohl auch Herbert Reul, Chef des Bezirks Bergisches Land. Zum Röttgen-Lager wird die Ruhr-CDU mit Ex-Verkehrsminister Oliver Wittke an der Spitze gezählt.
Ein erster Gradmesser
Auch im Umfeld des Wirtschaftspolitikers und Ex-Unions-Fraktionschefs Friedrich Merz, des inoffiziellen Taktgebers der Sauerland-CDU, soll es Zustimmung für den Umweltminister geben. Das passt – immerhin hatte einst Pofalla Merz als Wirtschaftssprecher abgelöst. In den westfälischen CDU-Bezirken ist die Mehrheitslage noch undurchsichtig.
Auch der Aachener Armin Laschet ist noch im Rennen. Der Ex-Integrationsminister war in der Abstimmung um den Fraktionsvorsitz nur knapp Karl-Josef Laumann unterlegen. CDU-Generalsekretär Gröhe und Kanzlerin Merkel gelten als Fans.
Doch Laschet hat sich gerade als erster Stellvertreter Laumanns in der Landtagsfraktion so deutlich als Nummer zwei positioniert, dass manche bezweifeln, dass er die Nummer eins der Partei werden kann. So oder so: Über den Parteivorsitz entscheidet am Ende der Landesparteitag auf Vorschlag des Landesvorstands. Das kleine Gremium am Freitag ist dennoch ein erster Gradmesser.
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