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Sylvia Löhrmann im Gespräch: Schulministerin kritisiert Gymnasien

VON FRANK VOLLMER UND GERHARD VOOGT - zuletzt aktualisiert: 20.07.2010 - 21:25

Sylvia Löhrmann, die Schulministerin der neuen rot-grünen Landesregierung, fordert von den Gymnasien mehr Engagement für jeden einzelnen Schüler. Im Herbst soll entschieden werden, wie das Schulgesetz reformiert werden soll.

Der Volksentscheid gegen die Einführung einer sechsjährigen Primarschule in Hamburg sorgt für eine neue Diskussion um die Schulpläne von SPD und Grünen in Nordrhein-Westfalen. Schulministerin Sylvia Löhrmann (Grüne) verteidigte im Interview mit unserer Redaktion die Einführung von Gemeinschaftsschulen, in denen die Kinder länger gemeinsam lernen sollen. Zugleich bemängelte sie die Arbeit der Gymnasien in NRW.

„Die Eltern wollen eine Schule, die auch ohne Nachhilfe den Bildungserfolg sichert“, sagte die Politikerin aus Solingen: „Da haben die Gymnasien Nachholbedarf.“ Die Schulform sei wichtig für die akademische Bildung. Aber die Gymnasien dürften sich nicht „auf ihren Lorbeeren ausruhen“. Die Ministerin kritisierte, zu viele Gymnasien arbeiteten noch mit dem Instrument des Sitzenbleibens. Jede Schule, die ein Kind aufnimmt, müsse aber die Verantwortung übernehmen, dass dieses Kind dort erfolgreich bis zu einem Abschluss lernen könne.

"Schulkonsens" nach der Sommerpause ausloten

Die Schulministerin erklärte, sie wolle nach der Sommerpause mit den anderen Fraktionen ausloten, ob ein „Schulkonsens“ möglich sei. Dann entscheide sich, welche Bestandteile der Schulreform in Gesetzesform gegossen würden. Befürchtungen, auch in NRW könne es einen Volksentscheid geben, teilt Löhrmann nicht: Die rot-grüne Schulreform sei „ganz anders angelegt“ als in Hamburg und setze auf „regionalen Konsens“. Kein Schritt werde zentral verordnet.

Karl-Josef Laumann, der Fraktionsvorsitzende der CDU im Düsseldorfer Landtag, stellte klar, die Vorgängerregierung habe die Zahl der Sitzenbleiber an Gymnasien fast halbiert: von 2,4 Prozent im Schuljahr 2004/2005 auf 1,3 Prozent im Schuljahr 2009/2010. „Das ist ein Erfolg“, betonte Laumann. Löhrmanns Vorwurf, die Gymnasien übernähmen zu wenig Verantwortung für ihre Schülerinnen und Schüler, sei eine „ungeheuerliche Missachtung des Engagements der Lehrerinnen und Lehrer“, erklärte der CDU-Politiker. Die Forderung nach einer Weiterentwicklung der Gymnasien klinge „wie eine Drohung“. Löhrmann bereite „den Boden für den Gang in die Einheitsschule vor“, sagte Laumann.

Ralf Witzel, schulpolitischer Sprecher der FDP, erklärte, Rot-Grün werde in NRW nicht „mit einem blauen Auge davonkommen“. SPD und Grüne verlagerten „die Schlachtfelder des Schulkriegs in die Kommunen“. Der „rot-grüne Einheitsbrei“ sei eine „verantwortungslose Politik“ und rufe den „erbitterten Widerstand“ der Liberalen hervor. Die Bildungsreform sei die „Achillesferse der Minderheitsregierung“ in NRW.


 
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