Nordrhein-Westfalen: SPD will Feiertagsruhe besser schützen
VON GERHARD VOOGT - zuletzt aktualisiert: 15.04.2011 - 07:06Der Plan des Parteivorsitzenden der NRW-Grünen, Sven Lehmann, die Karfreitagsruhe aufzuheben, ist bei der SPD auf heftige Kritik gestoßen. Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) sagte im Gespräch mit unserer Redaktion, eine Änderung des Feiertagsgesetzes werde es mit ihr nicht geben.
"Wir dürfen nicht zulassen, dass der Feiertagsschutz weiter ausgehöhlt wird", sagte Kraft. Es müsse in einer Gesellschaft auch Tage zum Innehalten geben. Der Karfreitag gehöre dazu. "An diesem Tag gedenken die Christen des Todes von Jesus Christus", erklärte die Ministerpräsidentin.
Die Christen seien keine Minderheit in unserem Land. Eine Gesellschaft, der nichts mehr heilig sei, komme nicht voran. "Für mich als Christin hat der Karfreitag auch persönlich eine hohe Bedeutung", sagte Kraft. "Ich käme nicht auf die Idee, an dem Tag ins Theater zu gehen."
Der Landesvorsitzende der NRW-Grünen hatte erklärt, die Karfreitagsruhe passe nicht mehr in unsere Zeit. Die Minderheit der Menschen, die den christlichen Glauben aktiv praktiziere, könne nicht der Mehrheit vorschreiben, wie sie den Tag zu verbringen habe. Durch das Verbot bestimmter Veranstaltungen werde vielen Bürgern "der Abend vermiest", sagte Lehmann.
Auch in den eigenen Reihen stießen die Pläne auf Ablehnung. Der Vorschlag Lehmanns sei "nicht vom Ende her gedacht", sagte Oliver Keymis, Landtags-Vizepräsident der Grünen. Wer den Karfreitag abschaffen wolle, müsse sich konsequenterweise auch gegen die Sonntagsruhe aussprechen. Sigrid Beer, kirchenpolitische Sprecherin der Grünen, erklärte, ihre Partei stehe für religiöse Vielfalt und ein Gesellschaftsbild von Pluralität und Toleranz.
Rolf Krebs, Beauftragter der evangelischen Kirche bei der Landesregierung, zeigte sich "entsetzt" über den Vorstoß. In seiner theologischen Botschaft, die er gestern in der Andacht des Landtags verlas, wies er auf die besondere Bedeutung des Karfreitags hin. Der CDU-Abgeordnete Thomas Sternberg nannte den Vorschlag des Grünen-Vorsitzenden "völlig töricht". 70 Prozent der Deutschen seien Christen. "Sie haben ein Recht darauf, in ihrer Religionsausübung respektiert zu werden", sagte der Unionspolitiker.
NRW-Arbeitsminister Guntram Schneider (SPD) kündigte an, die Landesregierung werde die Ausnahmeregelungen einschränken, die in NRW für die Sonntagsöffnung von Geschäften gelten. Bislang haben die Gemeinderäte die Möglichkeit, einzelnen Stadtteilen bis zu viermal die Ladenöffnung an Sonntagen zu erlauben. Auch der Tag der Arbeit, der 1. Mai, müsse als besonderer Feiertag geschützt werden. "Wir werden eine parlamentarische Mehrheit dafür bekommen", sagte Schneider.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum

