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Qualität beim Mittagessen
Nur jede dritte Schule mit eigener Küche

Tipps für leckere Schulbrote
Tipps für leckere Schulbrote FOTO: ddp
Berlin. Die Qualität beim Mittagessen in der Schule lässt zu wünschen übrig. Das Essen wird oft über Stunden warm gehalten. Die Bundesregierung plant eine Qualitätsoffensive. Die Grünen kritisieren, dass dafür zu wenig Geld eingesetzt wird. Von Detlev Hüwel und Eva Quadbeck

Zu fad, zu lange warm gehalten, schlecht kontrolliert - diese Probleme bestehen bundesweit beim Schulessen. 60 Prozent der Schulen, die Mittagessen anbieten, lassen sich die Mahlzeiten fertig anliefern. Das geht aus der Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Grünen-Fraktion im Bundestag hervor.

Auch bei der Qualitätskontrolle der Schulverpflegung hapert es. Sie findet nur bei knapp 28 Prozent der Schulen statt, wie aus der Antwort der Bundesregierung hervorgeht. Es bestehe "Handlungsbedarf", schreibt die Bundesregierung. Grundlage der Antwort der Bundesregierung sind verschiedene wissenschaftliche Studien und Umfragen unter Schulleitungen wie auch unter Schulträgern.

In Nordrhein-Westfalen wird die Herstellung der Schulspeisen von der kommunalen Lebensmittelüberwachung kontrolliert. Betroffen sind die Lieferanten (Caterer) der Mahlzeiten ebenso wie die schuleigenen Küchen. Dabei wird auch darauf geachtet, ob es Hinweise auf Inhaltsstoffe gibt, die möglicherweise Allergien auslösen könnten. Seit Dezember 2014 ist die Angabe der 14 wichtigsten allergieauslösenden Zutaten auch für die Kita- und Schulverpflegung verbindlich vorgeschrieben. Wie oft die Kontrollen in NRW stattfinden, dazu gab es keine Angaben.

Zur Ernährungsberatung von Kitas und Schulen hat die Verbraucherzentrale NRW die "Vernetzungsstelle Schulverpflegung" eingerichtet. Abteilungsleiter Bernhard Burdick weiß, dass die Qualität der Speisen mitunter arg zu wünschen übrigen lässt. Das liege auch daran, dass vielfach warmes Essen angeliefert und über Stunden warmgehalten werde. "Wie sich das geschmacklich auswirkt, lässt sich denken." In NRW liege der Anteil der Warmverpflegung mit 48,3 Prozent allerdings deutlich unter dem Bundesdurchschnitt von 60 Prozent.

Das Mittagessen in der Schule ist eine politische Großbaustelle. Denn es mangelt nicht nur an der Qualität, sondern es gibt immer noch zu wenig Schulen, die Mittagessen anbieten. "Derzeit besucht jeder dritte Schüler eine Ganztagsschule, jedoch wünschen sich 70 Prozent der Eltern einen Ganztagsplatz für ihr Kind", bemängelt der bildungspolitische Sprecher der Grünen-Fraktion im Bundestag, Özcan Mutlu.

Zwischen 2003 und 2009 hatte die Bundesregierung den Ausbau der Ganztagsschulen mit insgesamt vier Milliarden Euro gefördert. Das ehrgeizige Ausbauprogramm, der Wunsch der Länder, die Gelder auch einzusetzen, und der Druck der Eltern nach Ganztagsbetrieb führten dazu, dass manch eine Schulmensa damals rasch aus dem Boden gestampft wurde. Die Qualität blieb mancherorts auf der Strecke.

Einen handfesten Skandal gab es im Herbst 2010 in Ostdeutschland. Ein Großanbieter, der etliche Schulen belieferte, verwendete für einen Nachtisch tiefgekühlte Erdbeeren aus China. Die Schüler bekamen von dem Dessert reihenweise Brechdurchfall.

Das Problem der mangelnden Qualität des Schulmittagessens ist längst erkannt, an seiner Behebung wird schon seit Jahren herumgedoktert. Nun will die Bundesregierung ein "Nationales Qualitätszentrum für Schulessen" einrichten. Im Juni soll ein Konzept dafür vorliegen, wie auch aus der Antwort der Bundesregierung hervorgeht. Ein solches Zentrum soll dann beispielsweise bundeseinheitliche Qualifizierungsmaßnahmen für die Schulessen-Anbieter festlegen.

Die Grünen bemängeln, die von Ernährungsminister Christian Schmidt (CSU) angekündigte Qualitätsoffensive für das Schulessen drohe zur Luftnummer zu werden. Wenn er seine Ankündigung ernst nehmen würde, müsse er mehr Geld "locker machen", sagt Nicole Maisch, Sprecherin der Bundestagsfraktion für Verbraucherpolitik. Sie kritisiert: "Die Bundesregierung hat im Jahr 2014 für das Thema Schulverpflegung 1,9 Millionen Euro ausgegeben, das sind 23 Cent pro Schüler und Jahr." Das sei "lächerlich wenig".

Quelle: RP
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