Streit um Rede Arafats per Videoübetragung: Palästinenser verlassen Arabergipfel
zuletzt aktualisiert: 27.03.2002 - 18:30Beirut (rpo). Die palästinensische Delegation hat den Gipfel der Arabischen Liga in Beirut unter Protest verlassen: Grund: Eine Rede von Palästinenserpräsident Jassir Arafat wurde nicht direkt übertragen.
Nach dem Eklat haben sich am späten Mittwochnachmittag mehrere arabische Staatschefs bemüht, die Abreise der palästinensischen Delegation aus Beirut zu verhindern. Nach Angaben aus Delegationskreisen bemühte sich vor allem der syrische Präsident Baschar el Assad, den Chef der palästinensischen Delegtion, Faruk Kaddoumi, zur Rückkehr in den Konferenzsaal zu bewegen. Wie am Mittwochabend im Konferenzhotel zu erfahren war, sind die Vermittlungsversuche gescheitert.
"Wir fordern unsere Freunde in der palästinensischen Delegtion auf, die Rede Arafats aufzunehmen, so dass wir sie hier ohne Störungen durch Israel anhören können", sagte der libanesische Präsident Emile Lahoud, der den Vorsitz der Konferenz hatte, zu Beginn der zweiten Sitzung am Nachmittag.
Was ein historischer Durchbruch im Friedensprozess hatte werden sollen, endete mit einem Eklat. Nur wenige Stunden nach der Eröffnung des Gipfeltreffens der Arabischen Liga in Kairo verließ die palästinensische Delegation die Konferenz unter Protest, weil der libanesische Präsident Emile Lahoud die Direkt-Übertragung der Rede von Palästinenserpräsident Jassir Arafat aus Ramallah nicht ankündigen wollte.
"Er hätte eigentlich nach dem saudischen Kronprinzen sprechen sollen, aber Lahoud (der den Vorsitz der Konferenz hat) hat Faruk Kaddoumi, den Leiter unserer Delegation, völlig ignoriert, als ihn dieser an Arafats Rede erinnern wollte", empört sich ein Palästinenser.
Der Friedensplan des saudischen Kronprinzen Abdullah Ibn Abdelasis, der die Gipfelkonferenz nach dem Willen der Arabischen Liga eigentlich zu einem "historischen Durchbruch im Friedensprozess" hätte machen sollen, ging im allgemeinen Chaos fast unter.
Zwar präsentierte der Kronprinz offiziell seine Initiative. Doch richtete er sein Friedensangebot nicht an die israelische Regierung, sondern ausdrücklich nur an "das israelische Volk". Nach der jüngsten Demütigung Arafats durch den israelischen Ministerpräsidenten Ariel Scharon haben sich die Araber nun offenbar für die gleiche Strategie entschieden, die Scharon seit einigen Wochen gegenüber Arafat anwendet: Sie ignorieren den israelischen Ministerpräsidenten.
Den Israelis bot Abdullah in seiner Rede als Gegenleistung für einen Rückzug aus den besetzten Gebieten im Namen aller arabischen Staaten "normale Beziehungen und Sicherheitsgarantien" an. Indirekt fordert er die Israelis sogar auf, sich von ihrer Regierung abzuwenden, da diese nur "Gewalt und Rache" kenne.
Es ist unklar, welche Erfolgschancen der saudische Vorschlag, der im Prinzip von fast allen arabischen Staaten unterstützt wird, nach dem Eklat von Beirut noch hat. Die Tatsache, dass Arafat am Gipfeltreffen nicht selbst teilnehmen kann, weil Scharon gedroht hat, ihn möglicherweise nicht in die Palästinensergebiete zurückkehren zu lassen, gibt auf jeden Fall den kompromisslosen Vertretern im arabischen Lager Auftrieb.
Die als gemäßigt geltenden arabischen Führer - der ägyptische Präsident Husni Mubarak, der jordanische König Abdullah II. und der Emir von Katar, Scheich Hamad bin Chalifa El Thani - haben es deshalb vorgezogen, gar nicht erst in Beirut zu erscheinen. Sie sagten ihre Teilnahme in letzter Minute ab.
Mubarak begründet seine Entscheidung offiziell allerdings mit der Abwesenheit Arafats in Beirut. Die Bedingungen, die Scharon für die "Reiseerlaubnis" des Palästinenserführers gestellt hatte, nannte er "erpresserisch und demütigend".
Wirklich einig sind sich die 22 Mitgliedstaaten der Arabischen Liga nur in ihrer Unterstützung des palästinensischen Aufstandes. Ansonsten gilt auch bei diesem Gipfeltreffen das arabische Sprichwort "Die Araber haben sich darauf geeinigt, sich nicht zu einigen."
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