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Panama-Stadt/Zürich/Reykjavik
Panama-Kanzlei zeigt Hacker an

Panama-Stadt/Zürich/Reykjavik. Durch die Veröffentlichung von Namen der Inhaber von Briefkastenfirmen wächst der Druck auf Prominente in der ganzen Welt.

Die panamaische Kanzlei im Zentrum des Skandals um dubiose Offshore-Finanzgeschäfte sieht sich als Opfer einer aus dem Ausland gesteuerten Hacker-Attacke. Daher habe die Firma bei der Staatsanwaltschaft eine Klage wegen Datendiebstahls eingereicht, teilte der Mitgründer von Mossack Fonseca, Ramón Fonseca, mit. "Ein Hacker-Angriff ist eine Straftat. Ein schweres Verbrechen, das mit Gefängnis bestraft wird." Die Kanzlei meint zu wissen, wer hinter dem Datendiebstahl steckt. "Wir haben einen Verdacht, können dazu aber nicht mehr sagen, weil wir keine Beweise haben", sagte Ramón Fonseca.

Durch das Datenleck gerät der neue Fifa-Präsident Gianni Infantino nur sechs Wochen nach seiner Wahl massiv in Bedrängnis und Erklärungsnot. Nach Berichten der "Süddeutschen Zeitung" unter Berufung auf die "Panama Papers" über angeblich zweifelhafte Geschäfte des früheren Uefa-Generalsekretärs durchsuchte die Schweizer Bundespolizei gestern die Zentrale der Europäischen Fußball-Union in Nyon. Die Beamten forderten Einsicht in die Verträge zwischen der Uefa und der Briefkastenfirma Cross Trading.

Wenig später teilte die Schweizer Bundesanwaltschaft mit, wegen des "Verdachts der ungetreuen Geschäftsbesorgung und eventuell der Veruntreuung" in einem Strafverfahren zu ermitteln. Diese richtet sich derzeit allerdings nicht gegen eine konkrete Person. Es stehe "in Zusammenhang mit dem Erwerb von TV-Übertragungsrechten und richte sich gegen unbekannte Täterschaft". Bei der Razzia in der Verbandszentrale am Genfer See und an einem weiteren unbekannten Ort sollten Beweise sichergestellt werden.

Verwirrung herrschte gestern in Island, nachdem Regierungschef Sigmundur David Gunnlaugsson zunächst angeboten hatte, sein Amt niederzulegen, dann aber verkündete, nur eine Pause einzulegen. Nach Enthüllungen über eine Offshore-Firma seiner Frau hatten Tausende Isländer gegen ihn protestiert. In einer Pressemitteilung seines Büros hieß es: "Der Ministerpräsident ist nicht zurückgetreten und wird weiterhin als Vorsitzender der Fortschrittspartei tätig sein." Er habe nur vorgeschlagen, dass sein Stellvertreter Ingi Jóhannsson das Regierungsamt vorübergehend übernehme.

Der ukrainische Präsident Petro Poroschenko verteidigte derweil erneut seine Briefkastenfirma: Er habe sie für sein Süßwarenunternehmen gründen müssen, als er 2014 Präsident geworden sei. Dabei sei es nicht darum gegangen, Steuern zu minimieren. Details, warum die Gründung der Offshore-Firma nötig war, nannte Poroschenko jedoch nicht. Falls es etwas zu untersuchen gäbe, wäre er glücklich, wenn dies geschehe. Seine Verbindung zu der Briefkastenfirma sei jedoch von Beginn an transparent gewesen: "Kein verstecktes Konto, kein damit verbundenes Management, nichts."

Nach Berichten über eine von ihm und seinem Bruder offenbar vor Jahren gegründete Briefkastenfirma hat der spanische Regisseur Pedro Almodóvar Werbetermine für seinen neuen Film "Julieta" gestrichen. "Julieta" ist Almodóvars 20. Film. Er startet in Spanien morgen in den Kinos. Der Bruder und Leiter der Filmfirma von Almodóvar hatte sich am Montag für die Einrichtung einer Briefkastenfirma auf den Britischen Jungferninseln entschuldigt. Er habe in den 90er Jahren versucht, die Filmfirma international aufzustellen, aber wegen seiner damals geringen Erfahrung einen Fehler gemacht.

Die rechtsextreme französische Partei Front National hat Verleumdungsklage wegen der Berichterstattung über die Panama-Papiere eingereicht. Das Verfahren gegen Medien, die über Beziehungen der Partei oder ihrer Chefin Marine Le Pen zu Briefkastenfirmen berichtet hätten, sei bereits aufgenommen worden, sagte Parteianwalt David Dassa-Le Deist. Frankreich will Panama wieder auf die Schwarze Liste der Steuerparadiese setzen. Finanzminister Michel Sapin äußerte die Hoffnung, dass sich die in der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) zusammengeschlossenen Länder diesem Schritt anschließen. Dann müssen Unternehmen bei Transaktionen ohne wirtschaftliche Basis mit Sanktionen rechnen.

Der stellvertretende FDP-Chef Wolfgang Kubicki nannte die Aufregung "heuchlerisch". Jeder, der sich dafür interessiere, habe wissen können, dass in Panama Hunderttausende Firmen vorgehalten würden.

Quelle: RP
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