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Havanna
Papst Franziskus verzichtet auf offene Kritik an Kuba

Papst Franziskus besucht Kuba und die USA
Papst Franziskus besucht Kuba und die USA FOTO: dpa, tg ks
Havanna. Es sind Szenen wie aus einem Kinofilm: Als Martha Beatriz Roque auf dem Weg zum Papst im Taxi sitzt, kommt die Staatssicherheit. Vier Beamte des gefürchteten Inlandsgeheimdienstes stoppen das Fahrzeug. Einer der Beamten macht der kubanischen Regimekritikerin klar, dass hier ihre Reise auf dem Weg zur Nuntiatur zu Ende geht. Von Tobias Käufer

"Wenn Sie dem Papst etwas zu sagen haben, sagen Sie es uns, und wir sagen es ihm", erklärt der Vertreter der Staatsmacht. Die anschließenden 15 Stunden verbringt Roque auf der Polizeiwache. Am Tag darauf unternimmt sie einen weiteren Versuch.

Wieder war sie vom Vatikan eingeladen worden, und wieder wird sie am Zutritt zur Kathedrale von Havanna gehindert. Mit aller Macht versuchen die kubanischen Sicherheitskräfte, den Zugang zum Papst zu verhindern.

Es ist ein Drama, das sich auf Kuba derzeit abspielt, und dessen Ausgang ungewiss ist. Berichte über weitere Festnahmen von Aktivistinnen der Bürgerrechtsbewegung "Frauen in Weiß", die auf dem Weg zur Papstmesse waren, überwachte und gesperrte Handys - all das ist ein Armutszeugnis der kubanischen Diktatur, die sich gerne als pazifistisch und weltoffen präsentiert.

Für Papst Franziskus ist das eine unangenehme Entwicklung. Der Argentinier wird im Kernmarkt des katholischen Glaubens längst als ein "Papst der Linken", als der "kommunistische Papst" präsentiert. Dabei ruft er in Kuba die Jugendlichen dazu auf, gemeinsam an einer Zukunft zu arbeiten, "auch wenn man unterschiedliche Denkweisen hat".

Er ruft dazu auf, dass den Menschen und nicht den Ideologien zu dienen sei. Er grüßt alle Kubaner, auch jene, die "aus unterschiedlichen Gründen" nicht zu ihm kommen könnten. Es sind kleine, aber klare Botschaften an das andere Kuba, an das Kuba, über welches das kubanische Staatsfernsehen nicht berichtet.

Das zeigt lieber Bilder, die Franziskus lachend neben dem historischen Führer der kubanischen Revolution Fidel Castro zeigen, während draußen im Land die Handschellen klicken. Für Papst Franziskus ist das nicht ungefährlich. Vor allem konservative Kräfte innerhalb der katholischen Kirche, die seinem Öffnungskurs kritisch gegenüberstehen, warten auf solche Fehler. Sie machen ihn angreifbar. Und sie widersprechen seinem Einsatz für Versöhnung und Dialog.

Vielleicht wirkt der Papst deshalb auf der kommunistisch regierten Karibikinsel ungewöhnlich angespannt. Im Vergleich zu anderen Reisen präsentiert er sich zurückhaltender. Er hat immer dann seine stärksten Momente, wenn er vom Redemanuskript abweicht. Dann verschlingen die Zuhörer seine Worte, dann ist auch eine Spannung zu spüren in einem Land, in dem freie, nicht abgesprochene Reden auf einer solchen Bühne ungewöhnlich sind.

Quelle: RP
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