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Rom
Papst mahnt Putin zum Frieden

Putin zur Audienz bei Papst Franziskus
Putin zur Audienz bei Papst Franziskus FOTO: dpa, mau jak
Rom. Der Konflikt in der Ukraine stand im Mittelpunkt einer Privataudienz, zu der Franziskus den russischen Präsidenten in Rom empfing. Damit setzt er sich von der Blockade der G 7-Staaten ab.

In Rom hat Papst Franziskus gestern den russischen Präsidenten Wladimir Putin zu einer rund einstündigen Privataudienz empfangen. Putin war mit einer Sondermaschine aus Mailand nach Rom geflogen. In der norditalienischen Stadt hatte er zuvor mit Italiens Ministerpräsident Matteo Renzi die Weltausstellung besucht. Themen des Treffens zwischen Putin und Franziskus waren nach Angaben von Putins außenpolitischem Berater Juri Uschakow unter anderem der Ukraine-Konflikt und die Lage der Christen im Nahen Osten.

Wie der Vatikan am Abend mitteilte, sparte der Pontifex nicht mit deutlichen Worten und bekräftigte, dass eine "aufrichtige und große Anstrengung" nötig sei, um für Frieden in der Ukraine zu sorgen. Und auch sein Geschenk an den Gast aus Russland war symbolträchtig: eine Medaille mit einem Friedensengel.

Zuvor hatte Putin den Argentinier lange warten lassen: Mit mehr als einer Stunde Verspätung fuhr seine dunkle Limousine in dem Kirchenstaat vor. Die Männer begrüßten sich mit einem Handschlag und ernsten Mienen.

An die Begegnung waren im Vorfeld hohe Erwartungen geknüpft. So hatte der griechisch-katholische Großerzbischof der ukrainischen Hauptstadt Kiew, Swjatoslaw Schewtschuk, Franziskus gebeten, er solle bei dem Treffen die "Stimme des ukrainischen Volkes" sein. Mehrfach hat der Papst zu einer friedlichen Beilegung des Ukraine-Konflikts und einer Einhaltung des Völkerrechts aufgerufen. Sein Verzicht auf eine ausdrückliche Nennung Russlands als Aggressor rief Kritik in der Ukraine hervor.

Die Italien-Reise des Kremlchefs ist für die russischen Staatsmedien der Propaganda-Coup des Jahres. Eben noch schmähte der Westen beim G 7-Gipfel in Bayern den Russen wegen seiner Politik im Ukraine-Konflikt. Doch die Audienz im Vatikan, der Besuch auf der Expo in Mailand und die Treffen mit Italiens Staatsspitze führen ihn zurück ins Rampenlicht. Putin könnte sich keine besseren Bilder wünschen als mit dem Oberhaupt der Katholiken.

Es ist nicht das erste Mal, dass sich Putin und Papst trafen. Im November 2013 saßen sie 35 Minuten bei einem Gespräch im Vatikan zusammen. Es ging um den Krieg in Syrien und um die Christenverfolgung in dem Land. In Rom geht das Gerücht, dass das Oberhaupt der katholischen Kirche Putin jetzt erneut treffen wollte, um einen neuen Kalten Krieg zwischen Russland und den USA zu verhindern. Doch auf wessen Initiative es zu dem Putin-Besuch gekommen ist, gab der Vatikan nicht bekannt. Franziskus' politisches Engagement wurde zuletzt bei der Annäherung zwischen Kuba und den USA sichtbar. Dabei hatte der Vatikan eine zentrale Rolle gespielt.

Vor seinem Treffen mit dem Papst hatte Putin eine Zusammenarbeit mit den G 7 ausgeschlossen. Russland sei lediglich zu bilateralen Kontakten mit den G 7-Mitgliedern bereit. Früher habe Russland mit dem Gremium zusammengearbeitet und eine "alternative Sichtweise" beigetragen. "Unsere Partner haben entschieden, dass sie diese Alternative nicht mehr brauchen."

Ob der Papst bald Moskau besuchen wird, blieb nach dem Treffen offen. Bisher scheiterten päpstliche Besuche in der russischen Hauptstadt am Widerstand des Moskauer Patriarchen Kirill, dem Oberhaupt der russisch-orthodoxen Kirche.

Quelle: RP
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