"Es sind so viele": Papst gedenkt Opfer der Konzentrationslager
zuletzt aktualisiert: 07.05.2000 - 20:20Rom (dpa).
"Es sind so viele! Ihr Andenken darf nicht vergessen werden", sagte er vor mehreren tausend Teilnehmern, darunter auch viele Deutsche.
Stellvertretend für viele Opfer des Nationalsozialismus nannte der Papst den deutschen lutherischen Pastor Paul Schneider (1897-1939), der wegen seiner Opposition gegen die Nazis 1937 in das Konzentrationslager Buchenwald deportiert wurde. Weil er sich unter anderem weigerte, das Hakenkreuz zu grüßen, wurde er gefoltert. Die letzten 15 Monate seines Lebens musste der aus dem Hunsrück Stammende in Isolationshaft verbringen. Er starb an den Folgen von Folter und medizinischen Experimenten.
"Viele haben sich geweigert, sich dem Kult der Idole des 20. Jahrhunderts zu beugen. Sie wurden Opfer des Kommunismus, des Nationalsozialismus, der IdolatrIn einer sehr persönlich gehaltenen Ansprache hat Papst Johannes Paul II. am Sonntagabend der christlichen "Märtyrer des 20. Jahrhunderts" gedacht. Bei einem ökumenischen Gottesdienst am Kolosseum in Rom erinnerte das aus der Nähe von Auschwitz stammende Kirchenoberhaupt vor allem an die Opfer des Nationalsozialismus, des Kommunismus und des Rassenwahns.ie (Götzenanbetung) von Staat und Rasse", sagte der Papst in einer bewegenden Zeremonie. Insgesamt haben die Ortskirchen in aller Welt über 12 000 Glaubenszeugen aufgeführt, darunter etwa 700 Deutsche - wie etwa die deutsche Ordensfrau Edith Stein sowie Angehörige des Widerstandes gegen Hitler wie die Geschwister Scholl. Andere starben etwa in Lagern der früheren Sowjetunion oder bei Missionierungen in Afrika, Asien und Lateinamerika.
"Meine Generation"
"Die Generation, der ich angehöre, hat die Schrecken des Krieges, die Konzentrationslager und die Verfolgung kennen gelernt. In meiner Heimat wurden während des Zweiten Weltkrieges Priester und Christen in Vernichtungslager deportiert. Allein in Dachau waren etwa 3 000 Priester interniert. Ihr Opfer vereinte sich mit dem Opfer vieler Christen, die aus anderen europäischen Ländern kamen und mitunter anderen Kirchen und kirchlichen Gemeinschaften angehörten", sagte der 79-jährige Johannes Paul.
Bei der Zeremonie wurde aller christlichen Glaubenszeugen des 20. Jahrhunderts gedacht, nicht jedoch Märtyrern anderer Religionen. "Die Verfolgung hat fast alle Kirchen und kirchlichen Gemeinschaften des 20. Jahrhunderts berührt; sie hat die Christen an den Orten des Schmerzes vereint und aus ihrem gemeinsamen Opfer ein Zeichen der Hoffnung für die künftigen Zeiten gemacht", sagte der Papst.
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