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Paris
Paris ein Jahr nach dem Terror: Der Schock sitzt weiter tief

Paris. Im Straßencafé einfach ein Buch lesen und das Leben genießen. Für Caroline Langlade (30) ist das schwierig geworden. Der Straßenlärm lässt sie aufschrecken. Es fällt ihr schwer, sich zu konzentrieren. Langlade war in der Konzerthalle "Bataclan" am Abend des 13. November 2015. Zusammen mit 40 anderen Gästen versteckte sie sich drei Stunden lang in einem kleinen Nebenraum. Einer der Terroristen versuchte die Tür aufzustoßen, doch sie hielt stand. Bis heute ist Langlade nicht ins Kino gegangen. Der geschlossene Raum, die Dunkelheit voller unbekannter Menschen - das macht ihr Angst. Aber sie schweigt nicht. Zusammen mit anderen Opfern und Angehörigen gründete sie den Verein "Life for Paris" (Leben für Paris).

Der Verein unterstützt Opfer und Angehörige. Schätzungen zufolge leiden etwa 700 Menschen infolge der Attentate an einem Trauma. Der 13. November hat ihr Leben grundlegend verändert. Manche können nicht mehr arbeiten, andere stottern oder haben Platzangst, einige nahmen sich das Leben. Zu Wochenbeginn präsentierte eine Arbeitsgruppe der Rechtsanwaltskammer Paris Pläne für eine Reform der Opferentschädigung. Opfer von terroristischen Anschlägen sollen nun auch für durch Angst verursachte Beschwerden entschädigt werden; Angehörige für die Probleme, die durch "Warten und die Ungewissheit" hervorgerufen wurden.

Frankreichs Staatspräsident François Hollande hat bereits eine Reform des "Garantiefonds für Opfer von Terrorakten und anderen Verbrechen" angekündigt. Derzeit ist der Fonds mit 1,4 Milliarden Euro ausgestattet. Aber wer soll wie viel erhalten? Die Staatssekretärin für Opferhilfe schlug eine Skala mit festem Betrag pro Schaden vor. Im Raum stehen 10.000 Euro für ein psychologisches Trauma und 40.000 Euro für ein Kind, das ein Elternteil verloren hat.

Das Wochenende wird geprägt sein vom Gedenken an die Attentate vor einem Jahr. Heute Abend wird das "Bataclan", wo insgesamt 90 Menschen starben, mit einem Konzert des Rockmusikers Sting wiedereröffnet. Am Sonntagmorgen werden an den Orten der Attentate Gedenktafeln mit den Namen der Opfer enthüllt. Am Abend feierte der Erzbischof von Paris, Kardinal André Vingt-Trois, eine Messe für sie in der Pariser Kathedrale Notre-Dame.

Quelle: RP
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