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Düsseldorf
Parteifreunde gehen auf Distanz zu Volker Beck

Düsseldorf. Schon vor seiner Drogenaffäre galt der Kölner Bundestags-Grüne als angeschlagen. Hat Beck eine Comeback-Chance? Von Thomas Reisener

In zehn Tagen ist die Osterpause vorbei, und in Berlin beginnt wieder der Sitzungsalltag. Von den gut 600 Bundestagsabgeordneten wird einer besonders im Fokus stehen: Der Kölner Grünen-Politiker Volker Beck, gegen den die Staatsanwaltschaft ermittelt, weil er vor gut vier Wochen mit der gefährlichen Modedroge Crystal Meth erwischt worden ist. Wird er das Rampenlicht für ein Comeback suchen, oder wirft er das Handtuch?

Bis Ende dieser Woche ist Beck offiziell krankgeschrieben und beantwortet keine Fragen. Der Econ-Verlag, mit dem er ein Buch über Zivilcourage herausbringen wollte, teilte mit: "Wir haben aus nachvollziehbaren Gründen das Buch zurückgestellt, aber der Vertrag wurde nicht aufgelöst."

Zurückgestellt, aber nicht aufgelöst: Das beschreibt wohl auch das aktuelle Verhältnis zwischen Beck und den Grünen. Offiziell äußern will sich noch niemand zu Becks politischer Zukunft. Aber hinter vorgehaltener Hand räumt keiner der sechs führenden Parteifunktionäre, mit denen unsere Redaktion gestern gesprochen hat, Beck in der kommenden Legislatur noch Bundestagschancen ein.

"Die Drogen-Affäre ist gar nicht der Auslöser. Beck hatte auch vorher schon einen sehr schweren Stand", begründet das eine gut vernetzte Landespolitikerin. Becks Begabung ist anerkannt, ebenso seine Erfolge bei Koalitionsverhandlungen. Aber mit einer Mischung aus eitlen Alleingängen und Schnellschüssen hatte Beck schon vor seiner Drogenaffäre viele Sympathien im Landesverband verspielt. "Zuletzt sehr von Selbstdarstellung geprägt", fasst ein Parteifreund aus dem Bundestag zusammen.

Becks Karriereknick begann 2013, als ihm problematische Äußerungen zum Thema Pädophilie aus den späten 1980er Jahren nachgewiesen wurden. Er verlor sein Amt als Parlamentarischer Geschäftsführer. Mit spitzen Thesen wollte er trotzdem sichtbar bleiben - und überdrehte. Etwa, als er im November einen kritischeren Umgang mit den Islamverbänden forderte. Ein Frontalangriff auf die rot-grüne Landesregierung in NRW, die sich gerade für eine rechtliche Aufwertung dieser Verbände ausgesprochen hatte. Auch seine ersten Äußerungen nach der Drogenaffäre ("Ich habe immer eine liberale Drogenpolitik vertreten") werden als missglückte Rechtfertigung gewertet. "Das Zitat fliegt uns bei den nächsten Wahlen um die Ohren", sagt ein Düsseldorfer Grünen-Parlamentarier.

Gerade in Becks Grünen-Bezirk Mittelrhein ist die innerparteiliche Konkurrenz ohnehin groß. Neben zahlreichen Jungpolitikern, die den 55-Jährigen nach zwölf Jahren im Bundestag nur zu gerne ablösen würden, wird wohl auch ein Schwergewicht erstmals seinen Hut in den Ring werfen: Landeschef Sven Lehmann werden Bundestagsambitionen nachgesagt.

"Das einzige, was Beck noch retten kann, ist ein Mitleids-Effekt an der Parteibasis", sagt ein Parteikenner. Aber wahrscheinlicher ist wohl, dass Beck sich genau das ersparen will. Er könnte sich auf einen außerparlamentarischen Posten zurückziehen, der ihm schon früher einmal von der Heinrich-Böll-Stiftung angeboten worden sein soll.

Quelle: RP
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