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Vor Dreikönigstreffen
Philipp Rösler: seine Freunde, seine Feinde
Die FDP - eine schrecklich nette Familie
Die FDP - eine schrecklich nette Familie FOTO: dpa, Robert Schlesinger
Berlin. Der FDP-Chef steht vor dem Dreikönigstreffen heftig in der Kritik. Wer hält noch zu ihm, und wer will ihn stürzen? Von Michael Bröcker

Zwei Wochen vor der Landtagswahl in Niedersachsen und nur einen Tag vor dem traditionellen Dreikönigstreffen der FDP in Stuttgart dominiert bei den Liberalen der Führungsstreit. Wer steht noch zu Parteichef Philipp Rösler? Und wer nicht? Der Versuch einer Übersicht.

Stefan Birkner (39), Spitzenkandidat in Niedersachsen Der Ex-Richter folgte Rösler im Amt als Landeschef in Niedersachsen und ist als Umweltminister stellvertretender Ministerpräsident in Niedersachsen. Birkner gilt als bescheiden, integer und zurückhaltend – Typ Sachpolitiker. Seine Karriere hat er dem Aufstieg Röslers zu verdanken. Beide sind freundschaftlich verbunden. Einen Anti-Rösler-Wahlkampf lehnte Birkner früh ab. Er stützt Rösler bei jeder Gelegenheit. Nun steht auch Birkners politisches Schicksal in Niedersachsen auf dem Spiel.

Patrick Döring (39), Generalsekretär Der lautstarke Liberale rackert unermüdlich für seinen Chef, tourt durch die Dörfer und Kreisverbände und verteidigt die Regierungspolitik. Döring berät Rösler und kann ihn offen kritisieren wie nur wenige. Manchmal äußert sich aber auch der General missmutig über seinen Chef. Dennoch ist er Röslers treuester Vasall in der Führungsspitze.

Rainer Brüderle (67), Fraktionschef Der Pfälzer Politik-Profi (zwölf Jahre Regierungserfahrung in Mainz und Berlin, und seit 2011 Chef der Fraktion) gilt als heimlicher Vorsitzender. In der Wirtschaft angesehen, von der Kanzlerin geachtet, hätte er das Zeug zum Parteichef. Brüderle hält Rösler für überfordert, müht sich aber bislang öffentlich zu Loyalität; Königsmörder will er nicht sein. In seiner Rede in Stuttgart wird er Rösler loben und zu Geschlossenheit aufrufen. Nach der Niedersachsen-Wahl muss der einstige Weinbauminister dann vielleicht trotzdem die FDP übernehmen. Allerdings will er gebeten werden.

Christian Lindner (33), NRW-Landeschef Die Zukunftshoffnung der Partei. Jung, eloquent, intellektuell. Und Favorit von Altmeister Hans-Dietrich Genscher. Doch der FDP-Politiker, der am Montag 34 Jahre alt wird, hat sich auf Düsseldorf festgelegt. Vorerst. Als Parteichef steht er 2013 wohl nur im Notfall zur Verfügung. Diskutiert wird, dass Brüderle 2015 an den Mann aus Wermelskirchen übergibt. Zu Rösler pflegt Lindner seit seinem Rücktritt als Generalsekretär ein angespanntes Verhältnis. Lindner fühlte sich von Rösler mehrfach gelinkt, Rösler ist enttäuscht von dem stillosen Rückzug seines einstigen "Boygroup"-Kumpels.

Daniel Bahr (36), Gesundheitsminister Der Münsteraner verdankt sein Ministeramt Rösler. Doch in der öffentlichen Debatte hat Bahr nur pflichtschuldig unterstützende Worte für den Parteichef gefunden, wenn überhaupt. Bahr wartet lieber im Hintergrund ab. In der Nachfolge-Debatte spielt er keine Rolle.

Hans-Dietrich Genscher (85), Ex-Außenminister Immer noch hat sein Wort Schwergewicht in der FDP. Er ist Anhänger des nordrhein-westfälischen Landesvorsitzenden Christian Lindner, sagt das auch gerne und veröffentlicht bald ein Buch mit Lindner. Deutlicher kann die FDP-Ikone die Distanz zum Parteichef nicht demonstrieren. Röslers Europa-Politik kritisierte Genscher bisweilen. Öffentlich den Stab gebrochen hat Genscher über Philipp Rösler aber nicht.

Guido Westerwelle (51), Außenminister Öffentlich erstaunlich loyal zu Philipp Rösler. Aber als Strippenzieher im Hintergrund eher auf der Seite der Gegner. Doch für wen Westerwelle werben würde, ist fraglich. Er gönnt weder seinem ewigen Widersacher Brüderle noch gar Christian Lindner den Job als FDP-Chef. Westerwelle halte sich selbst immer noch für den Besten, sagen Parteifreunde. Das sieht die Mehrheit in der FDP aber anders.

Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (61), Justizministerin Vertraute von Christian Lindner. Und damit keine Freundin Röslers.

Dirk Niebel (49), Entwicklungsminister Er hat mit Rösler gebrochen und die Führungsdebatte ins Rollen gebracht. Niebel forderte, die Spitzenkandidatur vom Vorsitz zu trennen, und sprach von "Gegenkandidaten" für Rösler. Niebel habe die Rolle des "bösen Buben" angenommen, heißt es in seinem Umfeld. Er selbst rechne sich zudem Chancen auf den Parteivorsitz aus. Die Partei sieht auch das mehrheitlich anders.

Wolfgang Kubicki (60), Fraktionschef in Schleswig-Holstein Neben Niebel der größte Rösler-Kritiker. Notorischer Quertreiber, aber auch erfolgreicher Wahlkämpfer. Ziemlich unbeliebt in der Partei, gilt dennoch als möglicher Generalsekretär, weil er zuspitzen und verbal zuschlagen kann.

Quelle: RP/anch/csr
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