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Arzt kritisiert Änderungen an Gutachten: Pinochet: "Leichte" oder "moderate" Demenz?

zuletzt aktualisiert: 22.01.2001 - 21:50

Santiago (AP). Ein medizinisches Gutachten zur Verhandlungsfähigkeit des früheren chilenischen Diktators Augusto Pinochet ist nach Ansicht eines daran beteiligten Arztes verfälscht worden. Im Abschlussbericht der acht Ärzte sei Pinochet abweichend von der Diagnose eine "moderate Demenz" bescheinigt worden, kritisiert der in Kanada praktizierende Luis Fornazzari, der seitens der Anklage ernannt worden war. Dagegen hätten er und seine Kollegen sich auf die Formulierung "leichte bis moderate Demenz" geeinigt, sagte Fornazzari.

Der Neurologe verweigerte auf Grund dieser Änderung seine Unterschrift unter das Gutachten, wie es in einem Brief Fornazzaris an den Untersuchungsrichter hieß. Der Brief wurde am Montag vom staatlichen Fernsehen veröffentlicht. Ein von der Verteidigung bestellter Arzt, Sergio Ferrer, bestätigte, dass die Diagnose der Gutachter das Wort "leicht" enthalten habe. "Das ist ein finsteres Manöver, um einen Prozess gegen Pinochet zu verhindern", sagte Anwalt Hugo Gutierrez als Vertreter der Anklage.

Ein Gutachten, das Pinochet Verhandlungsunfähigkeit in Folge geistigen Verfalls bescheinigt, wäre wahrscheinlich die letzte Chance des 85-Jährigen, einem Prozess wegen der Tötung politischer Gegner zu entgehen. Lautet die Diagnose "leichte Demenz" könne der ehemalige Militärmachthaber noch als prozessfähig gelten, erklärten Juristen.

Am (morgigen) Dienstag soll Pinochet vom zuständigen Richter Juan Guzman vernommen werden. Guzman will den früheren Juntachef insbesondere wegen der Ermordung von 55 politischen Gefangenen während der so genannten Karawane des Todes im Herbst 1973 vor Gericht stellen. Im Laufe der Regierungszeit Pinochets von 1973 bis 1990 sind nach offiziellen Angaben mehr als 3.200 Regimegegner ermordet worden oder spurlos verschwunden.

Quelle: RPO Archiv

 
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