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ARD und ZDF machen "Verweigerungshaltung" aus: Politiker gehen kritischen Fragen aus dem Weg

zuletzt aktualisiert: 06.08.2001 - 14:09

Hamburg (rpo). Führende Politiker scheuen offensichtlich immer mehr die kritischen Fragen bekannter Polit-Magazine. ARD und ZDF machen eine zunehmende "Verweigerungshaltung" aus. Immer häufiger würden Interview-Wünsche abgelehnt, sagt "Frontal 21"- Redaktionsleiter Claus Richter vom ZDF.

Als jüngstes Beispiel nannte er Justizministerin Herta Däubler-Gmelin, die nach seinen Angaben ein Gespräch mit "Frontal 21" zur Kanzlerforderung ablehnte, Sexualtäter "wegzuschließen". Die Kritik der TV-Macher kommt vor dem Hintergrund des Bedeutungsverlusts der ARD- und ZDF-Politmagazine: Zu groß ist die Konkurrenz geworden.

"Politiker gehen lieber in lockere Talkrunden als sich von einem Magazin grillen zu lassen", sagt Richter. "Sie denken mehr an Marketing und Verkauf als an ihre Auskunftspflicht für den Wähler." Unterstützung erhält Richter von den ARD-Kollegen. "Report Mainz" berichtet, dass Verteidigungsminister Rudolf Scharping "allein den Politmagazinen in der ARD im Jahr 2001 mindestens zehn Mal ordnungsgemäß angefragte Interviews verweigert oder abgesagt" habe. Redaktionsleiter Fritz Frey sagt, dass Politiker sich gezielt die Medien aussuchten, in denen sie auftreten wollten, um somit bestimmten Risiken aus dem Weg zu gehen.

Justizministerium: Vorwürfe aus der Luft gegriffen

Auf einem Lokaltermin in Erfurt habe Scharping "Report"- Journalisten als Begründung genannt: "Weil ich viel zu tun habe, weil es vom Thema abhängt und übrigens auch vom Magazin." Das Verteidigungsministerium sagte der dpa, der Minister sei nicht dazu da, nur Interviews zu geben, er könne nicht nur den Medien zur Verfügung stehen, er müsse auch arbeiten. Christian Arns, Sprecher des Justizministeriums, bezeichnet die Vorwürfe als "aus der Luft gegriffen". Däubler-Gmelin habe zu dem Thema vor der Bundespressekonferenz gesprochen und dort alle Fragen beantwortet. Ein offenerer Umgang sei wohl kaum möglich. "Wer keine Privat-Audienz bekommt, muss nicht gleich beleidigte Leberwurst spielen", sagt Arns.

Die Zurückhaltung der Politiker geht einher mit dem schwindenden Stellenwert der TV-Politmagazine. Die "Spaßgesellschaft" dominiert im Fernsehen, und danach richten sich auch Politiker. Bundeskanzler Gerhard Schröder setzte Anfang 1999 ein deutliches Zeichen, als er in der ZDF-Show "Wetten, dass...?" bei Thomas Gottschalk auftrat. Kritiker meinen, in Talkshows wie "Sabine Christiansen" könnten Politiker ihre Meinung kundtun, ohne befürchten zu müssen, dass ihnen nennenswert ins Wort gefahren werde. Politmagazine schneiden O-Töne ihrer Gesprächspartner dagegen auf den eigentlichen Inhalt zusammen - der Politiker fühlt sich unter Wert verkauft.

Neue Debatte in Sicht

Nicht auszuschließen, dass vor der hohen Zahl von TV-Sendungen und dem Eindruck der "Verweigerungshaltung" die bereits vor wenigen Jahren geführte Debatte um einen Abbau von Politmagazinen in der ARD wieder aufleben wird. "Eine Reduzierung wäre gut", sagt Bernd Gäbler, Leiter des Adolf-Grimme-Instituts in Marl, der unter manchen Magazinen einen "klagenden Skandalton" ausgemacht hat und wünscht, die Macher sollten sich wieder auf "reportierende und analytische Beiträge" konzentrieren. "Panorama"-Chef Kuno Haberbusch forderte vor anderthalb Jahren den Abbau von sechs auf vier ARD-Politmagazine, sieht heute aber die Existenz nicht gefährdet. Fritz Frey meint, jedes der sechs Magazine habe seine Klientel.

Doch nicht alle Magazine schaffen die dringend notwendigen zweistelligen Marktanteile. Am vergangenen Donnerstag erreichte "Kontraste" aus Berlin auf dem neuen Test-Sendeplatz um 20.15 Uhr (statt kurz nach 21 Uhr) mit rund zwei Millionen Zuschauern lediglich 9,4 Prozent Marktanteil. Am Donnerstag muss "Panorama" die Prüfung bestehen.

Quelle: RPO Archiv

 
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