Brandenburgische PDS-Spitze von Neonazis bedroht: Polizei hat noch keine heiße Spur
zuletzt aktualisiert: 17.01.2000Potsdam (dpa). Zwei Spitzenpolitiker der brandenburgischen PDS erhalten neonazistische Drohungen. Seit Anfang Januar bekomme er täglich anonyme Anrufe, in denen er unter anderem als "rote Drecksau" beschimpft werde, sagte PDS-Landesgeschäftsführer Olaf Balzer der dpa und bestätigte einen Bericht des "Tagesspiegel" (Montag). Vize- Landeschef Stefan Ludwig habe Anfang Januar eine Postkarte aus Schweden mit einem Aufkleber der schwedischen Gruppe "Nationalsozialistische Front" (NSF) erhalten.
Die Potsdamer Polizei habe bislang keine heiße Spur, sagte Sprecher Geert Piorkowski auf dpa-Anfrage. "Nach ersten Erkenntnissen sind die Urheber in der rechten Szene zu suchen." Zu beiden Fällen seien Strafanzeigen ergangen und PDS-Politiker befragt worden.
Balzer betonte: "Ähnliche Drohanrufe habe ich bereits in den vergangenen Jahren mehrfach erhalten, aber nicht in einer solchen Regelmäßigkeit." Es seien mehrere Anrufer gewesen, die unter anderem sagten: "Rote Drecksau, wir kriegen dich." Laut "Tagesspiegel" ist die Postkarte an Ludwig als Indiz für zunehmende Kontakte zwischen deutschen Neonazis und der schwedischen Terrorszene brisant. Auf der Postkarte kündigte die Gruppe "United Skins" laut Balzer ein "neues Kampfjahr" an.
Dem Zeitungsbericht zufolge hatten Angehörige dieser Gruppe, die vor allem in Königs Wusterhausen (Kreis Dahme-Spreewald) aktiv sein soll, über Silvester in Schweden Mitglieder der NSF besucht. Die NSF spielt eine zentrale Rolle bei den Terrorakten, die vergangenes Jahr Schweden erschütterten. Drei Mitglieder sitzen laut Zeitung unter dem Verdacht in Untersuchungshaft, zwei Polizisten erschossen zu haben.
Bei Gewalttaten von Rechtsextremisten in Schweden waren im vergangenen Sommer drei Menschen gestorben und mehrere schwer verletzt worden. Nach Informationen des "Tagesspiegel" wurden Anfang 1998 bei einem Skinhead-Konzert nahe Stockholm drei Berliner Neonazis festgenommen. Im vergangenen November hätten sich Rechtsextremisten aus Brandenburg in Dänemark mit schwedischen "Kameraden" getroffen.
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