Nächtliche Unruhen in Belfast: Polizeischutz für katholische Mädchen
zuletzt aktualisiert: 06.09.2001 - 12:12Belfast (rpo). Immer noch können die katholischen Mädchen in der Ardoyne Road von Belfast nicht gefahrlos zur Schule gehen. Am Donnerstag sicherten 300 Polizisten den Schulweg durch ein protestantisches Wohngebiet. Steine und Brandsätze flogen nicht, stattdessen gab es ein Pfeifkonzert. Eine Mutter berichtete von Morddrohungen. In der Nacht kam es in Belfast erneut zu Ausschreitungen.
Ein Polizeisprecher bestätigte, dass alle Personen gewarnt wurden, die eine Todesdrohung erhalten haben. Philomene Flood, deren Tochter Eirinn die Heiligkreuz-Grundschule von Ardoyne besucht, wurde nach eigenen Angaben mit dem Tod bedroht. Auch Angie Boyle zögerte am Donnerstag, ihre Tochter Helen zur Schule zu schicken: "Man will sich für das Rechte einsetzen, aber man fragt sich, was die Kinder und man selbst noch alles verkraften können", sagte die 34-Jährige.
Am Mittwoch hatten hasserfüllte Demonstranten in der Nähe der Schule einen Bombenanschlag verübt, bei dem zwei Polizisten verletzt wurden. Zu dem Anschlag bekannte sich eine militante Organisation mit der Bezeichnung Red Hand Defenders. Diese hatte zuvor mit Angriffen auf katholische Eltern und Polizisten gedroht. Die Behörden vermuten, dass es sich bei den Red Hand Defenders um den Tarnnamen für Mitglieder der paramilitärischen Ulster Defense Association (UDA) handelt.
Auch in der Nacht zum Donnerstag kam es auf den Straßen von Belfast zu Ausschreitungen. Protestantische Jugendliche warfen in der Ardoyne Road Steine auf Polizisten. Dutzende Beamte und britische Soldaten suchten Schutz hinter ihren Fahrzeugen, die die verfeindeten Gruppen voneinander trennen sollten. Nach zwei Stunden trieben die Sicherheitskräfte die Jugendlichen auseinander; mindestens eine Person wurde verletzt.
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