Autobombe explodierte in Stewartstown: Polizisten und Soldaten halten Oranier aus Katholikenviertel fern
zuletzt aktualisiert: 09.07.2000 - 17:22Belfast (AP). Unter strengen Sicherheits-vorkehrungen sind 2.000 Mitglieder des protestantischen Oranier-Ordens am Sonntag durch die nordirische Stadt Portadown gezogen. Meterhohe Ab-sperrungen und mehr als 1.000 Bereitschaftspolizisten und Soldaten hielten die Menge vom Marsch durch die katholische Garvaghy Road ab, ein Militärhubschrauber überwachte den Zug der Protestanten.
Die befürchteten Ausschreitungen blieben zunächst aus. Führende Vertreter des Ordens riefen in Reden vor der Absperrung aber zu neuen Protesten und Straßenblockaden am Montag in der gesamten Provinz auf.
Harold Gracey(Foto), der bereits vor einer Woche Demonstrationen gegen das Marschverbot durch das katholische Viertel gefordert hatte, betonte, er habe nie zu Gewalttätigkeiten aufgerufen. Er lehnte es aber ab, die Ausschreitungen zu verurteilen. "Ich sage zu unseren Leuten: Macht weiter", erklärte er. Er rief die Menge dazu auf, die Stellung zu halten. Als es jedoch zu regnen begann, verließen viele die Demonstration. Die Marschteilnehmer protestierten auch förmlich mit einem Schreiben gegen die Entscheidung der Paradenkommission, dass der Marsch wie in den vergangenen Jahren erneut nicht durch die Garvaghy Road ziehen dürfe.
Einige Stunden vor dem Start des traditionellen Siegesmarsches explodierte vor der Polizeiwache der nordirischen Stadt Stewartstown eine Autobombe. Bei dem Anschlag in dem überwiegend von Katholiken bewohnten Ort, 55 Kilometer westlich von Belfast, wurde niemand verletzt. Die Polizei verdächtigte eine Splittergruppe der Irisch-Republikanischen Armee (IRA), die für die katholische Minderheit in Nordirland eintritt und die Vereinigung mit der Republik Irland anstrebt. Zwei Splittergruppen, die "Continuity IRA" und die "Real IRA", lehnen den 1997 erklärten Waffenstillstand der IRA sowie den Friedensprozess ab, der mit dem Karfreitagsabkommen von 1998 eingeleitet wurde. Die Bombenleger hätten versucht, die Situation weiter anzuheizen, sagte der britische Nordirlandminister Peter Mandelson.
Premierminister Tony Blair rief zur Besonnenheit auf. In einem Appell an die Führung des Oranier-Ordens forderte Blair die Verurteilung jeglicher Gewalt im Zusammenhang mit dem Traditionszug. Der nordirische Polizeichef Ronnie Flanagan gestand den Protestanten Demonstrationen zu. "Aber wir werden keine Gewalt zulassen", erklärte er. Das Marschverbot führte in den vergangenen Tagen zu Straßenschlachten zwischen militanten Protestanten und der Polizei, bei denen 37 Polizisten und zwei Soldaten verletzt wurden.
Portadown war auch in den vergangenen Jahren ein Brennpunkt im Konflikt zwischen probritischen Loyalisten und katholischen Anhängern der Untergrundorganisation Irisch-Republikanischen Armee (IRA). 1998 endete eine einwöchige Belagerung der Garvaghy Road mit einem Terroranschlag, bei dem drei junge Katholiken getötet wurden. Mit ihren jährlichen Märschen erinnern die Oranier an den Sieg Wilhelms von Oranien über den katholischen König Jakob II. vor mehr als 300 Jahren.
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