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Dallas
Polizistenmorde schocken USA

Dallas. Sie wollten eine Demonstration gegen Polizeigewalt in Dallas schützen - dabei wurden fünf Polizisten getötet. Die Ermittler rätseln, ob es sich um einen Einzeltäter handelte oder um mehrere Heckenschützen.

Vermutlich aus Rache sind in der US-Stadt Dallas mindestens fünf Polizisten getötet worden. Mindestens sieben weitere Polizisten sowie zwei Zivilisten seien verletzt worden. Unklar war, wie viele Täter auf die Beamten feuerten, die während eines Protestmarschs eingesetzt waren. Ein mutmaßlicher Angreifer sei mit Hilfe eines Roboters getötet worden, an dem ein Sprengsatz angebracht war, sagte der Polizeichef von Dallas, David Brown. Drei Menschen wurden festgenommen.

Anlass für die Demonstration am Donnerstagabend war der Tod von zwei Afroamerikanern, die in anderen US-Städten innerhalb von zwei Tagen durch Polizeischüsse ums Leben gekommen waren. Der mutmaßliche Schütze, der mit einem Gewehr und einer Pistole bewaffnete war, hatte sich stundenlang in einem Parkhaus verschanzt, bevor er mit Roboterhilfe getötet wurde. Während der Verhandlungen mit der Polizei brachte er seine Empörung über die Tötung von Schwarzen durch Polizisten zum Ausdruck. Der Mann betonte, er handele allein, gehöre keiner Gruppe an und wolle vor allem weiße Polizisten töten. Der Schütze habe zudem erklärt, in der Stadt Bomben versteckt zu haben, berichtete Polizeichef Brown. Einsatzkräfte durchsuchten mehrere Blocks im Zentrum, fanden aber keine Sprengsätze.

US-Medien identifizierten den Mann als Micah X. J. aus Mesquite bei Dallas. Der Nachrichtensender CNN berichtete, der 25-Jährige sei Reservist der US-Armee und habe in Afghanistan gedient. Er sei als Maurer ausgebildet worden. Nach Informationen der "Los Angeles Times" hat J. keine kriminelle Vergangenheit. Das Weiße Haus gab bekannt, dass die Ermittler Verbindungen zu Terrororganisationen ausschließen.

Die Beamten waren aus dem Hinterhalt angegriffen worden; einigen wurde in den Rücken geschossen. Präsident Barack Obama nannte die Tat bösartig, kalkuliert und verachtenswert. Der Nachrichtensender CNN sprach vom tödlichsten Tag für die Polizei in den USA seit den Terroranschlägen vom 11. September 2001. Damals waren 72 Polizisten ums Leben gekommen.

Bei den Festgenommenen handelt es sich um eine Frau, die in der Nähe des Parkhauses gestellt wurde, und zwei Männer, die in einem Wagen geflüchtet waren. Zur Identität der Verdächtigen und zu ihrer Hautfarbe machte die Polizei zunächst keine Angaben. Auf Fotos, die US-Medien zufolge den getöteten Micah X. J. zeigen, war ein dunkelhäutiger Mann zu sehen. Brown und Bürgermeister Mike Rawlings betonten zudem, aus ermittlungstaktischen Gründen vorerst nur wenige Informationen an die Öffentlichkeit geben zu wollen.

Eine Teilnehmerin des Protestmarsches wurde von einer Kugel am Bein getroffen. Die Frau sei mit ihren Kindern bei der Demonstration gewesen, sagte ihre Schwester vor Reportern. Sie habe sich auf ihr 15-jähriges Kind geworfen, um es vor den Kugeln zu schützen.

Augenzeugen berichteten von Chaos, als die ersten Schüsse am Donnerstag kurz vor 21 Uhr Ortszeit fielen. Passanten suchten Schutz in Hauseingängen oder Bushaltestellen. Bei den Schüssen habe sie zunächst an Feuerwerkskörper gedacht, sagte eine Zeugin. Sie sprach von "mindestens 30 Schüssen". Ein Video zeigte einen Schusswechsel zwischen einem Verdächtigen und der Polizei.

Der Gouverneur von Minnesota räumte Rassismusprobleme ein. "Wäre das passiert, wenn die Insassen weiß gewesen wären? Ich denke nicht", sagte Mark Dayton. "Ich denke, wir alle in Minnesota müssen eingestehen, dass diese Form von Rassismus existiert."

Quelle: RP
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