Peter Thomas komponiert Diana-Musical: Premiere soll im Oktober sein
zuletzt aktualisiert: 31.01.2000Hamburg (dpa). Noch in diesem Jahr will der deutsche Komponist Peter Thomas ein Musical über Leben und Sterben von Prinzessin Diana auf die Bühne bringen.
«Lady Di - Diana, Königin der Herzen» heißt das Stück, das ein portugiesischer Produzent bei dem Mann in Auftrag gegeben hat, der spätestens mit der Titelmusik zu 60er Jahre Science- Fiction-Serie «Raumpatrouille» in die deutsche Musik- und Fernsehgeschichte eingegangen ist. «Ich bin hemmungslos in allen Spielarten. Warum soll ich da kein Musical machen. Ich weiß ja, wie Musicals gehen», sagt der 73-Jährige, der schon eins für Zarah Leander schrieb und seit über 40 Jahren dem deutschen Musikgeschäft seinen Stempel aufdrückt.
«Premiere für das Musical soll im Oktober in Wien und in England gefeiert werden», berichtet Thomas, hat aber noch längst nicht alle Songs im Kasten. «Das machen wir in den nächsten Wochen fertig, die zwei Stunden Musik», sagt er mit der Lässigkeit des Profis und fügt hinzu: «In sechs bis acht Wochen wissen wir mehr.»
Thomas sieht sich als RevolutionärDass Thomas damit nicht übertreibt, bestätigen viele, die schon einmal das Vergnügen hatten, mit ihm arbeiten zu dürfen. Gerade hat er eine Hymne zum 2000. Heft der Comic-Serie «Perry Rhodan» abgeliefert. Eine war bestellt, fünf hat Thomas vorgelegt: «Ich bin Preuße, deshalb habe ich denen gleich was zum Aussuchen gegeben.»
Peter Thomas sieht sich als Revolutionär unter den deutschen Komponisten. Kaum jemand sonst hat wie er immer wieder Grenzen überschritten. So verwundert es nicht, dass eines Tags Jarvis Cocker, Frontmann der englischen Formation Pulp, bei Thomas anrief und nach dessen Vater verlangte. Er wolle einen Teil der «Raumpatrouille»- Musik für den Pulp-Titel «This Is Hardcore» verwenden und brauche dazu die Genehmigung des Komponisten. Als Thomas, der Jarvis Cocker erst für Joe Cocker hielt, entgegnete, er selbst sei der Gesuchte, reagierte der verblüffte Popstar mit den Worten: «Aber sie müssen doch tot sein.»
«In 27 Jahren werde ich 100», diktiert Thomas vehement allen ins Poesiealbum, die ihn auf dem Altenteil wähnen, und es klingt immer durch, dass er noch so viel vorhat und so vieles besser weiß. So kritisiert er heftig, wie die deutschen Rundfunkanstalten mit ihren Orchestern umgehen. «Heute spielt kein Orchester mehr fürs Fernsehen», schimpft er. Die Struktur ihrer Sender verbiete ihnen, sich ihrer eigenen Klangkörper zu bedienen: «Da nehmen die zum 17. Mal, 'My Fair Lady' auf, aber dafür gibt es beim eigenen Sender keine Abspielmöglichkeit.»
«Man legt im Fernsehen heute zu wenig Wert auf Musik», beschwert er sich. Überall ergieße sich die gleiche Soße über den Bildschirm. «Klangteppiche» nennt Thomas so etwas und schießt gleich gegen die Töne, die er bei der Ausstrahlung von Seifenopern vernimmt: «Da hat die Musik absolut nichts mit dem Geschehen zu tun. Es macht nur die nicht sehr kundigen Schauspieler ein bisschen lebendiger.»
Kritik an aktueller MusikUnd wenn Peter Thomas loslegt, bekommt auch die aktuelle Musikszene ihr Fett weg. «Ob TripHop oder HipHop, da kann doch keiner mehr den Unterschied erklären», sagt er und tadelt auch mangelnde klangliche Vielfalt bei den Trendsounds: «Das ist alles sehr beschränkt. Wer A sagt, muss da nicht viel mehr sagen. 'Yesterday' und 'Night And Day' waren doch gerade so gut, weil sie nicht aus nur einer Harmonie bestehen.»
So spricht einer, der dieser Tage miterlebt, dass sein 70er Jahre- Hit «Du lebst in deiner Welt», den er damals von einer unbekannten Friseuse mit dem Künstlernamen Daisy Door für die Krimi-Serie «Der Kommissar» trällern ließ, auf Festen wieder zum Mitsingschlager avanciert. Peter Thomas sieht sich bestätigt in seinem Immer-Anders- Wollen, und es klingt wie eine Kampfansage an alle musikalischen Langeweiler, wenn er sagt: «Ich lasse mir nie etwas gefallen, ich bin Einzelkämpfer und war nie angestellt. Ich bin nur Untertan bei meiner Frau.»
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