Bündnis gegen Rechts: "Aufstehen für Menschlichkeit": Prominente unterzeichnen Aufruf
zuletzt aktualisiert: 24.10.2000 - 16:26Berlin (dpa). Ein breites Bündnis aus allen Teilen der Gesellschaft und zahlreiche Prominente haben für den 9. November zu einer Großdemonstration gegen Rechts in Berlin aufgerufen. Hauptredner der Kundgebung am Brandenburger Tor werden Bundespräsident Johannes Rau und der Präsident des Zentralrates der Juden, Paul Spiegel, sein, teilten die Initiatoren am Dienstag in Berlin mit. Bundeskanzler Gerhard Schröder werde ebenfalls an der Demonstration teilnehmen. Veranstalter sind alle im Parlament vertretenen Parteien, sowie die Kirchen, die Jüdische Gemeinde und die Gewerkschaften. Auch die CDU schloss sich nach anfänglichen Bedenken dem Bündnis an.
Zu den Erstunterzeichnern des Aufrufs "Wir stehen auf für Menschlichkeit und Toleranz" gehören neben Vertretern aus Politik, Wirtschaft, Kirchen und Medien auch Prominente aus Kultur und Sport. Bis Dienstag morgen hatten unter anderem die beiden Tennis-Stars Boris Becker und Steffi Graf, Weitsprung-Olympiasiegerin Heike Drechsler, Radsportprofi Jan Ullrich, Literatur-Nobelpreisträger Günter Grass und der Schauspieler Otto Sander unterzeichnet. Auch Schröder, Außenminister Joschka Fischer (Grüne), CDU-Chefin Angela Merkel, Unions-Fraktionschef Friedrich Merz, FDP-Chef Wolfgang Gerhardt und Berlins Regierender Bürgermeister Eberhard Diepgen (CDU) unterschrieben.
CDU unterstützt Kampagne mit Verspätung
Die CDU schloss sich am Dienstag den Veranstaltern mit Verspätung an. Am Vortag hatte Merkel zwar erklärt, den Aufruf zu unterzeichnen, die Teilnahme der CDU aber noch von einer angemessenen Gestaltung abhängig gemacht. Am Dienstag sagte sie, die Partei werde auch als Veranstalter auftreten. Bundesgeschäftsführer Willi Hausmann erklärte, es habe zunächst unterschiedliche Vorstellungen über die Form gegeben. Bedenken wegen eines gemeinsamen Engagements mit der PDS seien zurückgestellt worden, weil das Ziel so wichtig sei.
Der Bundestag wird voraussichtlich für die Demonstration für vier Stunden seine Sitzung unterbrechen. Damit solle den Abgeordneten Gelegenheit gegeben werden, an der Veranstaltung teil zu nehmen, sagte die Parlamentarische Geschäftsführerin der Grünen-Fraktion, Katrin Göring-Eckhardt. Die Unterbrechung sei von SPD und Grünen beantragt worden, FDP und PDS hätten zugestimmt. Bedenken dagegen habe lediglich die CDU geltend gemacht. Eine förmliche Entscheidung solle erst in der nächsten oder übernächsten Woche getroffen werden.
"Es geht darum, an diesem Tag die Grundwerte unserer Gesellschaft in einer großen Manifestation zu verdeutlichen", sagte der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde zu Berlin, Andreas Nachama, als einer der Initiatoren. Eine "ganz große demokratische Koalition" solle an diesem Tag bekunden, dass "Deutschland zu 99 Prozent nicht aus kahlköpfigen, Molotow-Cocktails werfenden Dummen" bestehe. Der 9. November ist der Jahrestag der nationalsozialistischen Pogrome von 1938 gegen Juden in Deutschland und auch der des Mauerfalls 1989.
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