IRA warnt Protestanten vor Scheitern der Initiative: Protestanten zweifeln an IRA-Angebot
zuletzt aktualisiert: 12.05.2000 - 11:57London (dpa). Unter den protestantischen Ulster-Unionisten in Nordirland mehren sich die kritischen Stimmen zu dem IRA- Entwaffnungsversprechen vom vergangenen Wochenende.
Nach einem Bericht des "Independent" vom Freitag ist die britische Regierung besonders besorgt wegen Äußerungen des stellvertretenden Parteichefs John Taylor. Der als Vertreter einer starren Haltung bekannte Politiker hatte unmittelbar nach Veröffentlichung des IRA-Angebots eine positive Stellungnahme abgegeben. Jetzt sagte er jedoch, die Chancen für eine Annahme des Vorstoßes durch die Ulster-Unionisten seien von 90 auf 60 Prozent gefallen.
Die IRA hatte am Samstag angeboten, ihre Waffen "vollständig und nachweislich" auszumustern und ihre Waffenlager regelmäßig kontrollieren zu lassen. Dafür erwartet die katholische Untergrundorganisation von den Ulster-Unionisten, dass diese am 22. Mai die im Februar ausgesetzte Arbeit der katholisch-protestantischen Regionalregierung in Belfast wieder aufnehmen.
Taylor fordert wiederum, dass die britische Regierung entgegen ihren bisherigen Plänen den alten Namen der nordirischen Polizei - Royal Ulster Constabulary - beibehält. Die Regierung will diesen Namen im Zuge einer tief greifenden Polizeireform ersetzen, weil sowohl "Royal" (königlich) als auch "Ulster" (der protestantische Name für Nordirland) politisch belastet sind und Nordirland als Teil Großbritanniens interpretieren. Die Polizei soll jedoch künftig so neutral wie möglich sein.
Der UUP-Politiker Michael McGimpsey, der in der suspendierten nordirischen Regionalregierung Kulturminister war, sprach sich am Freitag für eine Verschiebung des UUP-Sonderparteitags aus, der über den IRA-Vorstoß abstimmen soll. "Die Partei muss sich Zeit lassen, damit sie sich darüber klar werden kann, was das IRA-Angebot wirklich enthält", sagte er. Die IRA-Nahe Sinn Fein-Partei warnte die Unionisten dagegen, zu zögern oder Forderungen zu stellen. Dies wäre ein "schwerer Fehler", sagte der stellvertretende Sinn Fein-Chef Martin McGuinness. Die IRA-nahe Zeitung "An Phoblacht/Republican News" drohte, alle Versuche der Protestanten, die IRA zu noch mehr Kompromissen zu bewegen, würden "die Initiative kaputt machen".
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