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Elf Monate nach Begnadigung wieder festgenommen: Protestantischer Milizenführer in Nordirland wieder verhaftet

zuletzt aktualisiert: 23.08.2000 - 12:20

Belfast (AP) Mit der Festnahme des protestantischen Milizenführers Johnny Adair hat die britische Regierung ihre Entschlossenheit gezeigt, die zunehmende Gewaltbereitschaft von "loyalistischen" Gruppen in Nordirland zu unterbinden. Elf Monate nach seiner Begnadigung unter dem nordirischen Friedensabkommen wurde Adair am Dienstagabend ins Gefängnis zurückgebracht - einen Tag nach einer tödlichen Schießerei zwischen rivalisierenden protestantischen Gruppen, in die er verwickelt gewesen sein soll.

Das Karfreitagsabkommen von 1998 erlaubt es der britischen Regierung, begnadigte Terroristen bei Beteiligung an Gewalttätigkeiten zur Verbüßung ihrer Reststrafe wieder zu inhaftieren.Polizisten stoppten am Dienstagabend das Auto Adairs, legten dem 36-Jährigen Handschellen an und flogen ihn im Hubschrauber zum Maghaberry-Gefängnis. Die Verhaftung erfolgte auf Anordnung des britischen Nordirland-Ministers Peter Mandelson.

"Die öffentliche Sicherheit steht für mich an erster Stelle", sagte Mandelson. "Ich kann einer Person nicht die Freiheit geben, die entschlossen ist, sie zu missbrauchen." Adair, genannt "Mad Dog", soll nach Informationen der Polizei eine maßgebliche Rolle bei Zusammenstößen zwischen verfeindeten protestantischen Milizen in den vergangenen Monaten gespielt haben.

Die britischen Behörden kamen nach den Schüssen vom Montag, bei denen zwei Menschen getötet wurden, unter zunehmenden Druck, Adair wieder festzunehmen. Opfer der Schießerei wurde auch einer der engsten Mitarbeiter Adairs in der Ulster Defense Association (UDA), die mit mehr als 2.000 Mitgliedern die größte paramilitärische Organisation der Protestanten in Nordirland ist. Die Täter werden in den Reihen der rivalisierenden Ulster Volonteer Force (UVF) vermutet. Kämpfer der UDA reagierten mit Angriffen auf Wohnhäuser und Geschäfte mutmaßlicher UVF-Anhänger. Am Dienstag verfehlten Kugeln durch ein Wohnzimmerfenster nur knapp zwei Mädchen.

Die beiden paramilitärischen Gruppen hatten 1994 gemeinsam einen Waffenstillstand beschlossen und Anschläge auf die katholische Minderheit in Nordirland eingestellt. Seitdem kam es jedoch zunehmend zu Auseinandersetzungen zwischen UDA und UVF über die Kontrolle krimineller Banden in Teilen Belfasts.

Adair hatte sich im Gefängnis offen gegen den Waffenstillstand ausgesprochen. Er war 1994 wegen terroristischer Anschläge zu 16 Jahren Gefängnis verurteilt und im September vergangenen Jahres vorzeitig aus der Haft entlassen worden.

Quelle: RPO Archiv

 
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