Bundesbank-Vorstand in Potsdam: Proteste gegen Sarrazin-Lesung
zuletzt aktualisiert: 09.09.2010 - 20:18Potsdam (RPO). Unter dem Motto "Keine Toleranz für Rassisten!" haben am Donnerstag in Potsdam mehrere Dutzend Menschen gegen eine Lesung von Bundesbank-Vorstand Thilo Sarrazin protestiert. Die Demonstranten kritisierten Äußerungen des SPD-Politikers über muslimische Einwanderer.
Sarrazin wollte am Abend im Potsdamer Nikolaisaal erstmals öffentlich aus seinem umstrittenen Buch "Deutschland schafft sich ab" lesen. Die ursprünglich im Kulturzentrum Waschhaus geplante Veranstaltung des Brandenburgischen Literaturbüros war einige Tage zuvor nach Protesten und Drohungen in das Konzerthaus Nikolaisaal verlegt worden.
Zu den Protesten hatte das Antikapitalistische Bündnis Potsdam aufgerufen. Ein Sprecher der Initiative sagte, die Demonstration richte sich gegen die Lesung. "Wir protestieren dagegen, dass Rassismus und anderen gruseligen Weltbildern ein Podium geboten wird", sagte er und forderte, die Lesung abzusagen, da Sarrazin mit seinen Thesen Ausländer kriminalisiere und Vorurteile in Bezug auf deren Integrationsbereitschaft schüre. Auf Plakaten war unter anderem zu lesen "Kein Podium für Rassisten und Nazis" sowie "Sarrazin schafft sich ab".
Sarrazin hat in seinem Buch mit Äußerungen über eine angeblich erbliche Dummheit muslimischer Einwanderer bundesweit für Empörung gesorgt. In der vergangenen Woche beschloss der Vorstand der Deutschen Bundesbank einstimmig, beim Bundespräsidenten die Abberufung Sarrazins als Mitglied des Vorstandes zu beantragen.
Die Prüfung obliegt derzeit Bundespräsident Christian Wulff. Gegen den Ex-Senator liegen zudem insgesamt drei Anträge von SPD-Gremien für einen Ausschluss aus der Partei vor. Der 65-Jährige war bereits im März nach einem Interview über türkische und arabische Einwanderer nur knapp einem Parteiausschluss entgangen.
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