Tschetschenen greifen zwei russische Züge an: Putin: Feldzug war "ausgezeichnet"
zuletzt aktualisiert: 10.02.2000Alchasurowo/Russland (AP). Die tschetschenischen Separatisten haben mit Angriffen auf zwei Züge der russischen Streitkräfte gezeigt, dass sie auch nach dem Fall Grosnys noch militärische Schlagkraft besitzen. Die Kämpfe im russisch kontrollierten Teil von Tschetschenien ereigneten sich bereits am Dienstag, wurden vom Moskauer Verteidigungsministerium aber erst am Donnerstag bekannt gemacht.
Unterdessen berichteten tschetschenische Flüchtlinge, dass russische Einheiten bei einem Angriff auf drei Dörfer im Westen der abtrünnigen Kaukasusrepublik mindestens zwei Dutzend Zivilisten absichtlich getötet hätten.
Nach einem Bericht der russischen Nachrichtenagentur ITAR-TASS sprengten die Rebellen einen russischen Instandsetzungszug in der Nähe von Argun mit ferngezündeten Minen in die Luft. Von vier Seiten hätten die Kämpfer das Feuer eröffnet. Einen zweiten Zug, der zur Unterstützung entsandt wurde, griffen sie mit Granaten an. Nach stundenlangen Kämpfen hätten sich die Tschetschenen schließlich beim Eintreffen russischer Spezialeinheiten zurückgezogen, hieß es. Angaben über Opfer auf beiden Seiten machten weder das Ministerium noch ITAR-TASS.
Nach Berichten tschetschenischer Augenzeugen griffen russische Soldaten eine Flüchtlingsgruppe an, der sie zuvor einen sicheren Korridor aus der belagerten Ortschaft Katyr-Jurt angeboten hätten. Doch statt einen ungehinderten Abzug zu gewähren, hätten die Soldaten die Flüchtlinge mit Trommelfeuer eingedeckt. Das Massaker soll sich bereits am vergangenen Freitag zugetragen haben.
Menschenrechtsorganisationen haben den russischen Truppen wiederholt vorgeworfen, im Tschetschenienkrieg auf Flüchtlingskonvois in so genannten sicheren Korridoren geschossen zu haben. Die Streitkräfte haben dies stets bestritten.
Auch am Donnerstag wurden schwere Kämpfe aus Katyr-Jurt gemeldet. Die Militärführung vermutet, dass sich in der rund 30 Kilometer südwestlich von Grosny gelegenen Ortschaft ein tschetschenischer Feldkommandeur mit seinen Gefolgsleuten verschanzt hält. Putin vergibt "Note ausgezeichnet" für Tschetschenien-FeldzugRusslands Übergangspräsident Wladimir Putin hat dem neuesten Bericht über den Stand des Tschetschenien-Feldzuges die "Note ausgezeichnet" verliehen. "Ich habe den Bericht mit ausgezeichnet bewertet", sagte Putin am Donnerstagabend nach einem Rapport von General Viktor Kasanzew, dem Oberbefehlshaber der russischen Kaukasus-Truppen. Kasanzew hatte Putin sowohl über den bisherigen Verlauf der Kampfhandlungen als auch die weiteren Pläne unterrichtet.
Putin äußerte die Hoffnung auf ein baldiges Ende des Krieges. "Ich hoffe, dass mit den Banditen in Tschetschenien bald Schluss gemacht wird", zitierte ihn die Agentur Interfax. Russische Militärs haben für die nächsten Tage den Beginn der Schlussoffensive gegen die Rebellen in der Gebirgsregion im Süden Tschetscheniens angekündigt.
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