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Persönlich
Rachid Nekkaz begleicht Burkini-Strafen

Persönlich: Rachid Nekkaz begleicht Burkini-Strafen
FOTO: Imago
Wie ein Rächer sieht er nicht aus. Grauer Hut, gerne ein grauer Schal, schwarzes Jackett. Die Haare fast schulterlang, auch sie: weitgehend grau. Doch Rachid Nekkaz (44) ist der "Zorro des Nikabs", wie ihn die französische Presse nennt. Von Philipp Jacobs

Sein Degen ist sein Geld. Seit einigen Jahren begleicht der Immobilienunternehmer die Strafen, die muslimische Frauen zahlen müssen, wenn sie in der Öffentlichkeit eine Nikab oder eine Burka tragen. Nun will Nekkaz auch die Strafen für Burkinis übernehmen. Seit vergangener Woche gilt an einigen französischen Stränden ein Verbot für den Ganzkörper-Badeanzug.

15 Frauen hätten sich bisher gemeldet und ihn gebeten, die Strafen zu übernehmen. Bis Ende August, wenn das befristete Verbot endet, rechne er mit 100 Strafen. Insgesamt will Nekkaz nach eigenen Angaben bereits 245.000 Euro beglichen haben - nicht nur in Frankreich, auch in der Schweiz, Belgien und in den Niederlanden. 2010 gründete der Sohn algerischer Einwanderer extra eine Organisation für seine Großzügigkeit: "Touche pas à ma constitution" ("Rührt meine Verfassung nicht an"). Das Geld stammt aus Nekkaz' Beteiligung an einem Internet-Start-up sowie aus seinen Immobiliengeschäften.

Der studierte Philosoph ("Frankreich besitzt derzeit keinen Voltaire") setzt sich für vieles ein - vor allem für jene Dinge, die Schlagzeilen generieren.

2007 kandidierte er für die französische Präsidentschaft, sechs Jahre später versuchte er das Gleiche in Algerien. Beide Male scheiterte er kläglich. Aber stets medienwirksam.

Er selbst kämpfe gar nicht per se für Frauen, die wegen ihrer religiösen Kleidung Strafen zahlen sollen, sondern für Bürgerrechte, sagte Nekkaz einmal. Das mag stimmen, doch genauso ist es ein Kampf um Aufmerksamkeit. Vielleicht ist das der Grund, warum er bei seinen Heldentaten auf die Zorro-typische Maske verzichtet: Sie würde verbergen, wer er ist.

Quelle: RP
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