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Paris/Rakka
Frankreich vergilt Anschläge mit Luftangriffen in Syrien

Paris/Rakka. Wichtige Stellungen des Islamischen Staates wurden zerstört. Der Ruf nach einer Koalition gegen den Terror wird lauter.

Am späten Sonntagabend rollen zehn französische Kampfjets über das Startfeld einer Militärbasis. Der Ort ist geheim. Das Ziel aber klar: Rakka, eine der Hochburgen des Islamischen Staates (IS) im Norden Syriens.

In der Nacht meldet die Syrische Beobachtungsstelle "mindestens 30 Luftangriffe" auf Rakka. Die Institution hat ihren Sitz in Großbritannien und bezieht ihre Informationen aus einem dichten Informantennetz in Syrien. Wenig später bestätigt ein Sprecher des französischen Verteidigungsministeriums die Luftschläge. Die Kampfjets hätten 20 Bomben auf wichtige Stellungen des IS abgeworfen. Getroffen wurden demnach eine Kommandozentrale, ein Rekrutierungszentrum, ein Munitionsdepot und ein Ausbildungslager. Die Angriffe hatten keine lange Vorlaufzeit. Es sind Vergeltungsschläge für die Terrorserie in Paris, bei der bisher 132 Menschen ums Leben kamen.

Die Entscheidung, die Luftangriffe zu fliegen, sei eine rein politische gewesen, sagte Frankreichs Außenminister Laurent Fabius am Rande des G 20-Gipfels in Belek. Sein Land habe die Berechtigung, nach den Anschlägen von Paris Maßnahmen gegen die Terrormiliz zu ergreifen. Es sind bis dato die schwersten Angriffe Frankreichs in Syrien. Der Islamische Staat erklärte über seinen Radiosender Al Bajan, die Kampfjets hätten nur leere Stellungen getroffen. Es gebe keine Verletzten. Von offizieller Seite ist das nicht bestätigt.

Rakka gilt als einer der wichtigsten Standorte für die Truppen des IS. Schon vor Beginn des Bürgerkriegs vor etwas mehr als vier Jahren war die Stadt ein wichtiger Umschlagpunkt für die Landwirtschaft. Heute ist Rakka die heimliche Hauptstadt der Terrormiliz. Die mehrheitlich sunnitische Bevölkerung fühlt sich von Assads Regierung benachteiligt und gibt den Dschihadisten Rückhalt.

Mit Blick auf die zurückliegenden Kampfeinsätze gegen den IS in Syrien gibt es jedoch kaum Hoffnung, dass die Terrorgruppierung rasch zerschlagen werden kann. Denn entscheidend schwächen konnten die Bombardements der von den USA angeführten Allianz den IS bisher nicht. Noch immer beherrschen die Extremisten riesige Gebiete in Syrien und im Irak.

Der Parteichef der französischen Sozialisten, Jean-Christophe Cambadélis, forderte im Radio eine Koalition gegen den IS. Oppositionschef Nicolas Sarkozy brachte Russlands Präsidenten Wladimir Putin ins Spiel. "Wir brauchen jeden, um den IS zu vernichten, und vor allem die Russen. Es kann keine zwei Koalitionen in Syrien geben", forderte der Ex-Präsident, der sich kürzlich mit Putin getroffen hatte. Russland fliegt zwar Luftangriffe in Syrien, nimmt den IS jedoch kaum ins Visier. Stattdessen sind oft Stellungen gemäßigter Rebellen das Ziel.

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) warnte unterdessen vor einer überzogenen Reaktion auf die Anschläge von Paris. Alle wüssten, dass der Kampf gegen den Terrorismus am Ende nicht militärisch gewonnen werden könne, so Steinmeier.

(jaco/lon)
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