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40 Gegendemonstranten festgenommen: Randale bei Anti-Rechts-Demonstration in Neumünster

zuletzt aktualisiert: 16.09.2000 - 19:30

Neumünster (AP). Begleitet von Steine und Flaschen werfenden Autonomen haben rund 800 Bürger am Samstag in Neumünster gegen eine zeitgleich stattfindende Protestveranstaltung von Rechtsextremisten (Foto) demonstriert. Allerdings gelang es der Polizei mit einem Großaufgebot, Neo-Nazis und linkes Spektrum getrennt zu halten, so dass schwere Zwischenfälle vermieden werden konnten. Nach Angaben eines Polizeisprechers wurden 101 Personen vorübergehend festgenommen und 17 Strafverfahren wegen Widerstands gegen die Staatsgewalt eingeleitet. Verletzt wurde niemand.

Bevor es zu den Ausschreitungen kam, hatten Mitglieder der schleswig-holsteinischen Landesregierung mit Ministerpräsidentin Heide Simonis an der Spitze an der Gegendemonstration teilgenommen. Der Protest richtete sich gegen eine Kundgebung von annähernd 500 Rechtsradikalen unter Führung des wegen Neonazi-Aktivitäten vorbestraften Christian Worch, die die Wiedereröffnung des von der Stadt geschlossenen Neonazi-Treffs "Club 88" forderten. Der Aufmarsch der Rechtsextremisten war diesmal nicht verboten worden, nachdem frühere Untersagungsverfügungen vom Bundesverfassungsgericht aufgehoben worden waren.

Simonis appellierte an alle demokratischen Kräfte, im Kampf gegen Ausländerfeindlichkeit und Rechtsextremismus zusammenzuarbeiten. Nicht nur Parteien, Gewerkschaften, Kirchen, Verbände, Vereine und private Initiativen seien gefragt, auch jeder Einzelne könne seinen Beitrag leisten. Die rot-grüne Landesregierung werde alle unterstützen, die sich gegen Intoleranz, Fremdenhass und Gewalt einsetzten. "Keinen fußbreit den Faschisten", rief Simonis aus. Allerdings lehnte die SPD-Politikerin "blinde Schnellschüsse" der Politik ab. Nötig seien vielmehr "klarer Verstand und überlegtes Handeln", um den Rechtsextremismus wirksam einzudämmen.

Um Rechtsextremisten und Gegendemonstranten auseinander zu halten, bot die Polizei 1.300 Beamte auf. Die Angriffe der Autonomen galten nach Behördenangaben fast ausschließlich den Sicherheitskräften. Am Samstagnachmittag lösten sich die Demonstrationen auf, die Teilnehmer verließen die Stadt.

Quelle: RPO Archiv

 
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