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Polizei: Asiaten zettelten Gewalt an
Rassenunruhen in Bradford finden kein Ende

Bradford (rpo). In der nordenglischen Stadt Bradford ist es in der dritten Nacht in Folge zu Krawallen gekommen. Insgesamt gab es 15 Festnahmen. Die Polizei macht die asiatische Bevölkerungsminderheit für den Großteil der kriminellen Aktionen verantwortlich.

«Die Beweise, die mir bisher vorliegen, deuten darauf hin, dass die Mehrzahl der kriminellen Handlungen durch die ethnische Minderheit verübt wurde», sagte Chief Superintendent Max McLean am Dienstag. Er ist Leiter Sonderkommission, die die schlimmsten Rassenkrawalle in Großbritannien seit Jahren aufklären soll.

Bereits am Vortag hatte auch Premierminister Tony Blair der Auffassung widersprochen, es handele sich bei den Krawallen vor allem um ein Rassismus-Problem. «Es mag sein, dass es am Anfang ein Element der Provokation durch Rechtsextreme gegeben hat, aber die ersten Beweise deuten darauf hin, dass wir es mit einfachem Schlägerunwesen zu tun haben», umriss ein Sprecher die Meinung des Regierungschefs.

In der Nacht zum Dienstag war es in Bradford erneut zu Unruhen gekommen. 15 weiße Jugendliche wurde festgenommen, nachdem sie mit Steinen auf Polizisten geworfen hatten. In den vorwiegend von Asiaten bewohnten Stadtteilen, die in den beiden vorhergehenden Nächten Zentrum der Gewalt waren, blieb es jedoch ruhig. Ein Polizeisprecher sagte, es habe in der Nacht zum Dienstag keine Wiederholung der Unruhen gegeben.

"Klima der Angst"

In Bradford herrscht nach Angaben eines führenden Vertreters der farbigen Briten «ein Klima der Angst». Lord Herman Ouseley, jahrelang Vorsitzender der Regierungskommission für Rassengleichheit, hat in einem schon Wochen vor Beginn der Gewalt verfassten Bericht das Versagen der Politiker kritisiert, sich der tatsächlichen Probleme der Stadt anzunehmen.

«Es herrscht Angst, offen und ehrlich miteinander zu sprechen, weil man Gegenbeschuldigungen und Schikanen befürchtet. Es herrscht Angst, Fehlverhalten zu benennen, weil man nicht als Rassist gebrandmarkt werden will. Es herrscht Angst, die Bandenkultur zu bekämpfen, den illegalen Drogenhandel, die zunehmende rassistische Intoleranz und Belästigung, die es gibt», heißt es in dem am Dienstag bekannt gewordenen Bericht Lord Ouselys.

«Mein Eindruck ist, dass ein großer Teil der Unruhe Gewalt um der Gewalt willen war», sagte McLean. «Aber wir werden all die verschiedenen Aspekte untersuchen. Es wäre dumm, die rassistischen Aspekte der Unruhen zu ignorieren.» Er forderte die Angehörigen der asiatischen Minderheit auf, die Kriminellen zu benennen, die in der Statdt eine Brandspur der Gewalt hinterließen. Die Polizei richtete eigens eine Telefonleitung ein, über die sich Bewohner in Urdu, der offiziellen Staatssprache Pakistans, an die Behörde wenden können.

Bei den Unruhen waren zahlreiche Geschäfte geplündert, mehr als 300 Verbrechen begangen und rund 200 Polizisten verletzt worden. Allein beim Niederbrennen einer BMW-Niederlassung wurde ein Schaden von mehr als 20 Millionen Pfund (64 Millionen Mark/32,7 Millionen Euro) angerichtet.

(RPO Archiv)
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