Einweihung als Zeichen der Geistesverwandtschaft: Rau und Chatami weihten Hafis-Goethe-Denkmal ein
zuletzt aktualisiert: 12.07.2000 - 15:04Weimar (AP). Der iranische Staatspräsident Mohammad Chatami und Bundespräsident Johannes Rau haben am Mittwoch in Weimar ein Hafis-Goethe-Denkmal eingeweiht. Es soll die enge Geistesverwandtschaft zwischen Johann Wolfgang Goethe und dem persischen Nationaldichter Hafis über zeitliche, räumliche und religiöse Grenzen hinweg symbolisieren. Der größte deutsche Dichter und Weltbürger, der von 1749 bis 1832 lebte, war durch die Verse von Hafis (um 1320 bis 1388) zu seiner Gedichtsammlung "West-östlicher Divan" inspiriert worden.
Bei der Enthüllung des Denkmals bezeichnete Chatami die Zwiesprache zwischen Goethe und Hafis als ein "schönes Beispiel des Umgangs zwischen Ost und West". Rau sprach von dem "schönsten Beispiel eines gelungenenen Dialogs zwischen Deutschen und Persern" und fügte hinzu: "Ich betrachte das Denkmal als Aufforderung, den Dialog wieder aufzunehmen. Lassen Sie uns das Gespräch im Geiste von Hafis und Goethe führen".
Das Denkmal besteht aus zwei steinernen Stühlen, die so aus einem einzigen Granitblock heraus geschnitten wurden, dass sie zusammengefügt wieder den ursprünglichen Stein ergeben würden. Sie stehen sich auf einer Bronzeplatte gegenüber und bilden eine Ost-West-Achse. Der bronzene Teppich ist mit persischer Ornamentik gestaltet. Im Zentrum steht ein Vers von Hafis in persischer Kalligrafie. Die Enden der Ornamentplatte sind mit zwei Goethe-Gedichten aus dem "West-östlichen Divan" versehen. Darunter befinden sich die Verse "Wer sich selbst und andre kennt/Wird auch hier erkennen/Orient und Okzident/Sind nicht mehr zu trennen".
Obwohl Hafis nur einen Gedichtband hinterließ, gilt er als der bedeutendste persische Lyriker. Zu seinen Lebzeiten ein Freigeist, schuf er laut Brockhaus "im Zeichen von Liebe und Rausch eine dichterische Gegenwelt zu einer von religiösem Gesetz, Herrscherwillkür und Heuchelei deformierten Wirklichkeit".
Das Denkmal ist der deutsche Beitrag zum Internationalen Jahr des Dialogs zwischen den Kulturen 2001, das die Generalversammlung der Unesco auf Antrag des Irans ausgerufen hatte. In Schiras, der Geburtsstadt des persischen Dichters, soll in nächster Zeit ein Goethe und Hafis gewidmetes Zwillingsdenkmal aufgestellt werden.
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