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Neuss
Razzia bei den Stadtwerken Neuss

Neuss. Die Staatsanwaltschaft Wuppertal wirft dem Stadtwerke-Chef Heinz Runde Untreue und Korruption vor. 80 Ermittler durchsuchten 20 Objekte am Niederrhein nach belastendem Material. Von Andreas Gruhn und Christoph Kleinau

Bei den Stadtwerken Neuss hat es gestern erneut eine Großrazzia wegen Korruptionsverdachts gegeben. 80 Ermittler des Landeskriminalamts und der Staatsanwaltschaft Wuppertal durchsuchten ab 9 Uhr Büros, Geschäftsräume und Wohnungen in mehr als 20 Objekten und beschlagnahmten Datenträger und Schriftstücke. Betroffen waren unter anderem die Zentrale der Stadtwerke (SWN) an der Moselstraße sowie Unternehmen und Privathäuser in Neuss, Krefeld, im Kreis Heinsberg und im Kreis Wesel. Hauptbeschuldigter ist SWN-Geschäftsführer Heinz Runde (66). Die Fahnder werfen ihm Untreue und Korruption vor.

Angeblich ließ sich Runde sein Wohnhaus im Stadtteil Selikum von einem Bauunternehmen umbauen, hieß es in einer Erklärung der Staatsanwaltschaft. Im Gegenzug soll er dem Bauunternehmen Aufträge zugeschanzt haben. Außerdem stehen private Ausgaben von mehreren Verantwortlichen der Stadtwerke für Bewirtungen und Reisen, die als betriebliche Ausgaben abgerechnet worden sein sollen, im Fokus der Ermittler.

Bereits im vergangenen Jahr hatte es nach anonymen Hinweisen eine erste Durchsuchungsaktion gegeben. Parallel dazu hatten die Stadtwerke damals bei der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG eine Sonderprüfung in Auftrag gegeben. KPMG prüfte unter anderem Ausschreibungen für Hausanschlüsse, Bewirtungen im Neusser Edelrestaurant Herzog von Burgund und die Nutzung des SWN-Saunabades "Wellneuss". Dabei, so die Stadtwerke, hätten sich keine Anhaltspunkte für Manipulationen ergeben. Das sieht die Staatsanwaltschaft nun anders: "Neu gewonnene Erkenntnisse verstärken den Verdacht der Bestechlichkeit gegen den Hauptbeschuldigten", teilte Oberstaatsanwalt Wolf-Tilman Baumer mit.

Anne Wehnert, Rechtsanwältin von Heinz Runde, bestätigte gestern die Durchsuchung in Rundes Privathaus: "Dort ist nicht ein Stück Papier mitgenommen und nichts sichergestellt worden. Das falsifiziert den Vorwurf. Wir arbeiten seit dem ersten Tag kooperativ mit der Staatsanwaltschaft zusammen."

Neben den bisherigen Vorwürfen untersucht die Staatsanwaltschaft auch das Sponsoring der Stadtwerke des Neusser Bürgerschützenfestes. Vereine sollen mittels Sponsoringverträgen Zuwendungen erhalten haben, ohne dass ein entsprechender Nutzen für die Stadtwerke Neuss verbunden war, lautet der Vorwurf. Dabei geht es nach Informationen unserer Redaktion um Zahlungen von rund 200.000 Euro, für die die SWN beim Schützenfest werben durften. In diesem Zusammenhang suchten die Ermittler die Neusser Agentur "h1" auf, die die Vermarktung für den Bürgerschützenverein übernimmt. "Wir sind als Zeuge vernommen worden", sagte Marc Hillen, Inhaber der Agentur. "Wir haben über die Vermarktung sachlich und umfassend Auskunft gegeben." SWN-Sprecher Jürgen Scheer erklärte: "Wir unterstützen die Arbeit der Ermittlungsbehörden. In der Sache geben wir keine Stellungnahme ab."

Bürgermeister Reiner Breuer hat den Antikorruptionsbeauftragten der Stadt aufgefordert, den Rat am Freitag zu informieren. Er behalte sich zudem weitere Entscheidungen vor. Heute Nachmittag kommt der SWN-Aufsichtsrat in einer Sondersitzung zusammen. "Die Geschäftsleitung will die Aufsichtsratsmitglieder informieren", sagte die Vorsitzende Elisabeth Heyers. Ob das Gremium Maßnahmen treffen werde, ist offen. "Die Vorwürfe sind nicht neu. Wenn wir keine anderen Erkenntnisse haben als die aus dem vergangenen Jahr, wird es auch keine anderen Konsequenzen geben", sagte Heyers.

Quelle: RP
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