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Dortmund
Razzia bei ehemaligen SS-Soldaten

Dortmund. Die Ermittlungen dauerten Jahre, jetzt schlugen die Fahnder zu. Es geht um ein Massaker 1944.

Drei ehemalige Angehörige der SS-Panzerdivision "Hitlerjugend" stehen unter Mordverdacht. Die Schwerpunktstaatsanwaltschaft für NS-Verbrechen in Dortmund ließ in dieser Woche die Wohnungen der Beschuldigten in Sachsen und Niedersachsen durchsuchen. Die Männer sollen an einem Massaker an 86 Einwohnern der nordfranzösischen Kleinstadt Ascq bei Lille beteiligt gewesen sein. Zuvor war am 1. April 1944 an der Bahnlinie in der Nähe des Ortes ein Anschlag auf den Truppentransporter mit der SS-Einheit verübt worden. Die Männer im Alter von etwa 90 Jahren - zwei Beschuldigte wohnen im Raum Dresden, einer im Raum Hannover - haben eingeräumt, der Einheit angehört zu haben. Sie stritten aber ab, an Tötungen beteiligt gewesen zu sein, erklärten die Ermittler.

Nach dem Anschlag auf den Transport sollen Führer der Einheit, die von Deutschland aus unterwegs in die Normandie war, das Massaker an den Einwohnern angeordnet haben. Feldjäger sollen noch die Erschießung weiterer Bewohner verhindert haben. Die Rädelsführer kamen nach dem Krieg vor Gericht und wurden verurteilt.

In den vergangenen Tagen gab es auch Durchsuchungen bei nicht beschuldigten Männern in NRW und Baden-Württemberg. Sie hätten eine Affinität zur Waffen-SS, sagte Ermittlungsleiter Andreas Brendel von der Schwerpunktstaatsanwaltschaft in Dortmund.

Das Massaker in Ascq ist nicht der einzige Tatvorwurf. Es gehe auch um weitere Tötungen, unter anderem an einem US-amerikanischen Fallschirmspringer auf deutschem Boden. Die Staatsanwaltschaft ermittelt in Fällen zwischen April 1944 und dem Kriegsende im Mai 1945. "Ascq ist aber der gravierendste Fall", sagte Brendel. Die Schwerpunktstaatsanwaltschaft hatte die Durchsuchungen angeordnet, weil sie bereits gegen frühere Angehörige der Einheit "Hitlerjugend" ermittelt hatte, ohne auf Beschuldigte in NRW zu stoßen. "Solche Ermittlungen gibt man nicht mehr aus der Hand", sagte Brendel.

Die Schwerpunktstaatsanwaltschaft ermittelt derzeit zu Verbrechen der SS in Frankreich, Italien und in osteuropäischen Ländern.

(dpa)
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