Verdacht der Geldwäsche: Razzia in Liechtensteins Finanzmilieu
zuletzt aktualisiert: 13.05.2000 - 18:31Vaduz (dpa). Bei einer Razzia im Liechtensteiner Finanzmilieu sind der Bruder des stellvertretenden Regierungschefs sowie ein Rechtsanwalt wegen des Verdachts der Geldwäsche verhaftet worden. Auch gegen einen Abgeordneten des Parlaments wurde Haftbefehl erlassen, wie die Liechtensteiner Medien am Samstag berichteten.
Das Parlament wollte noch am Samstag zu einer Sondersitzung zusammen kommen, um die Immunität von Gabriel Marxer (Foto) von der Fortschrittlichen Bürgerpartei aufzuheben.
Der Schlag gegen verdächtigte Geldwäscher fand in der Nacht zu Freitag statt. Mehr als 50 Polizisten durchsuchten mehrere Büros und Häuser. Den Beschuldigten werden Geldwäscherei, gewerbsmäßiger Anlagebetrug, organisierte Kriminalität und Untreue vorgeworfen. Rudolf Ritter, der Bruder des stellvertretenden Regierungschefs, ist Rechtsanwalt.
Die Diskussion um illegale Geldmachenschaften im Liechtensteiner Finanzmilieu war Ende vergangenen Jahres durch einen Bericht des deutschen Bundesnachrichtendienstes (BND) ins Rollen gekommen. Darin wurde Liechtenstein beschuldigt, ein Geldwäscheparadies zu sein. Treuhänder, Ermittler und Richter deckten die Geschäfte. Die Regierung verwahrte sich gegen die Anschuldigungen, setzte aber einen österreichischen Sonderstaatsanwalt ein. Auch der fand keine Grundlage für die Pauschalvorwürfe, ordnete aber Ermittlungen gegen rund ein Duzend Personen an.
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