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Istanbul
Razzien nach Anschlag in Istanbul

Istanbul. Die türkische Polizei hat in Istanbul und Izmir 22 Verdächtige festgenommen. Von Gerd Höhler

Die drei Selbstmordattentäter, die am Dienstagabend am Istanbuler Atatürk-Flughafen 43 Menschen mit sich in den Tod rissen und fast 240 teils schwer verletzten, waren keine türkischen Staatsbürger. Es habe sich um einen Russen, einen Usbeken und einen Kirgisen gehandelt, hieß es in türkischen Regierungskreisen. Einer der drei, der Tschetschene und russische Staatsbürger Achmed Radschapowitsch, ist 2011 in bulgarischer Haft gewesen. Der Mann wurde an einem bulgarisch-türkischen Grenzübergang auf Ersuchen Russlands festgenommen, als er Bulgarien verlassen wollte. Radschapowitsch wurde allerdings nicht an Russland ausgeliefert, da er 2003 politisches Asyl in Osterreich erhalten hatte.

Die Fahnder vermuten die IS-Terrormiliz als Drahtzieher hinter den Anschlägen. Die regierungsnahe Zeitung "Yeni Safak" berichtete, der Anschlag sei von dem aus Tschetschenien stammenden IS-Funktionär Achmed Tschatajew geplant worden. Er soll beim IS für die Ausbildung russischsprachiger Terroristen zuständig sein.

Gestern nahm die türkische Polizei bei Razzien in Istanbul und Izmir 22 Personen fest. Unter den Verdächtigen seien vier Ausländer, sagte Innenminister Efkan Ala im Parlament. In Izmir soll die Polizei nach einer Meldung der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu Waffen und Papiere sichergestellt haben, die auf Verbindungen zum Islamischen Staat hindeuten.

Auch über den Ablauf des Angriffs gibt es neue Erkenntnisse: Die Regierung korrigierte ihre anfängliche Darstellung, wonach alle drei Attentäter bereits vor den Sicherheitskontrollen von der Polizei identifiziert worden seien. Nun heißt es, einer der drei Attentäter habe das Terminal betreten, das Feuer eröffnet und sich dann in der Nähe der Sicherheitskontrolle in die Luft gesprengt. Ein zweiter Attentäter habe das Chaos genutzt, sei in den Sicherheitsbereich vorgedrungen und zur einen Stock höheren Abflughalle gelaufen, um dort seine Sprengstoffweste zu zünden. Der dritte Angreifer sprengte sich an der Vorfahrt des Terminals an einem Parkhaus in die Luft, als die Menschen aus dem Gebäude rannten. Auch die Angaben zur Zahl der getöteten Ausländer hat die Regierung von 13 auf 19 nach oben korrigiert.

Quelle: RP
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