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Istanbul
Erdogan: "Wir werden einander lieben, für Allah"

Erdogan ruft das Volk zur Großdemo gegen den Putsch
Erdogan ruft das Volk zur Großdemo gegen den Putsch FOTO: afp, OZN
Istanbul. Nach dem Putschversuch demonstrieren mehr als eine Million Türken für ihren Präsidenten.

Nicht nur als Staatschef bittet Recep Tayyip Erdogan zur Mega-Kundgebung gegen den Putschversuch. "Einladung unseres Präsidenten und Oberbefehlshabers an unser Volk" steht auf den allgegenwärtigen Transparenten für die "Demokratie- und Märtyrer-Versammlung", zu der mehr als eine Million Türken in Istanbul gestern zusammengekommen sind. Gleich zu Beginn ruft Erdogan seine Landsleute zur Einheit auf: "Wir werden einander lieben, nicht für Rang und Titel, sondern für Allah." Den Urhebern des Putschversuchs hingegen droht er erneut mit der Wiedereinführung der Todesstrafe.

Deutschland kritisiert Erdogan erneut scharf, weil er sich vor einer Woche per Videozuschaltung nicht an seine Anhänger auf der Demonstration in Köln wenden durfte. Kurdischen Extremisten sei es dagegen in Deutschland erlaubt worden, per Videokonferenz zu senden, kritisiert er. "Wo ist die Demokratie?", ruft Erdogan den Teilnehmern zu.

Solche Bilder wie diese aus Istanbul sind es, die sich aus Sicht Ankaras weltweit als Symbol für den niedergeschlagenen Putsch durchsetzen sollen: Der mutige Widerstand der Zivilisten, der den Umsturzversuch vom 15. Juli tatsächlich erst scheitern ließ.

Auf Erdogans Einladung standen bei der Kundgebung gestern Abend nicht nur Ministerpräsident und AKP-Chef Binali Yildirim, sondern auch Oppositionsführer Kemal Kilicdaroglu von der Mitte-Links-Partei CHP und der Vorsitzende der ultranationalistischen MHP, Devlet Bahceli, auf der Bühne. Zusammen repräsentieren sie mehr als 85 Prozent des Wählerwillens. Die pro-kurdische HDP, der die Regierung Verbindungen zur verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK vorwirft, war hingegen nicht eingeladen.

Ministerpräsident Yildirim drohte auf der Demonstration, der im US-Exil lebende Prediger Fethullah Gülen werde zur Rechenschaft gezogen: "Ihr alle sollt wissen, dass der Anführer dieser terroristischen Gruppe in die Türkei kommen wird und dafür bezahlen wird, was er getan hat." Gülen hatte stets zurückgewiesen, er sei der Drahtzieher des gescheiterten Putsches.

Yildirim hatte seine Partei zuvor schriftlich angewiesen, die Demonstration in Istanbul nicht in AKP-Festspiele ausarten zu lassen. Anhänger sollten keine Parteiflaggen mitbringen, nur die Flagge der Türkei sollte geschwenkt werden. An ihr herrschte kein Mangel: Medienberichten zufolge haben die Behörden gleich 2,5 Millionen türkische Flaggen für die Großkundgebung vorbereiten lassen.

Zudem brachte der öffentliche Nahverkehr in Istanbul die Demonstranten umsonst zum Versammlungsort, sogar ein Taxi-Vermittlerdienst bot Gratis-Fahrten an. Und schon Stunden vor Beginn hatte sich in Yenikapi eine Menge versammelt, über der drei gigantische Flaggen wehen: In der Mitte die türkische Flagge, links davon eine mit Staatsgründer Mustafa Kemal Atatürk. Und rechts das überlebensgroße Konterfei Erdogans.

Quelle: RP
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