Unübersichtlichkeit der Musikszene hilft: Rechtsextreme Bands ungemein aktiv
zuletzt aktualisiert: 16.03.2000 - 13:48Berlin (dpa). Rechtsextreme Bands mit neofaschistischem Gedankengut sind einer Studie zufolge in der so genannten schwarzen Musikszene "ungemein aktiv". Die Unübersichtlichkeit der Szene erleichtere es "völkisch" engagierten Gruppen, sich unbemerkt zu etablieren, heißt es in einer Untersuchung der Konrad-Adenauer-Stiftung, die am Donnerstag in Berlin vorgelegt wurde.
Notwendig sei eine intensivere Aufklärung über die Gefahren in der Szene, sagte die Autorin der Studie, Daniela Tandecki. Das Gebot der Stunde laute: "Aufklären, hingucken, aufmerksam machen." Die rechte Seite vermute in der Szene aus Grufties, Fans von Black Metal, Gothic Rock und anderen Musikstilen einen "fruchtbaren Boden, an dessen Bestellung sie arbeitet". Ein - wenn auch kleiner - Teil der Szene betreibe "ungehemmt und weitgehend ungestört den Boykott demokratischer Prinzipien und Tugenden".
Unter dem Mantel der freien Kunstausübung würden in Musiktexten Ansichten verkündet, die jeglicher Toleranz und Menschenwürde widersprächen. Bands mit Namen wie "Treblinka" oder "Zyklon B" verbreiteten ihre nationalistischen und gewaltverherrlichenden Texte zunehmend auch im Internet. "Man kann die Szene aber nicht über einen Kamm scheren", sagte Tandecki. "Dunkel ist nicht gleich dunkel."
Die meisten Anhänger von "schwarzen" Musikstilen wolle mit rechtsextremen Gruppen absolut nichts zu tun haben. Diese meist jungen Menschen bewegten sich "zwischen Weltschmerz und Hoffnungslosigkeit" und begäben sich auf "esoterisch-okkulte Sinnsuche". Tandecki verweist in ihrer Studie auf die 1998 gegründete Initiative "Grufties gegen Rechts". Allerdings sei der Übergang zwischen rechtsextremen Gruppen sowie Bands mit gewaltverherrlichenden Texten, die aber nicht der rechten Szene zuzuordnen seien, fließend.
"Ich halte diesen Übergang für gefährlich, weil ihn einige Jugendliche nicht mitbekommen", sagte der kultur- und medienpolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Norbert Lammert. Der CDU-Politiker verwies auf Zahlen des Bundesinnenministeriums. Danach wurden im vergangenen Jahr 105 rechtsextreme Skinhead-Konzerte bekannt. Damit verdreifachte sich die Zahl seit 1995. Der regionale Schwerpunkt lag den Angaben zufolge mit 59 Konzerten in den ostdeutschen Ländern. Die durchschnittliche Teilnehmerzahl der Konzerte nahm 1999 deutlich zu.
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