Massives Polizeiaufgebot: Rechtsextremisten demonstrieren in Neumünster
zuletzt aktualisiert: 02.09.2000 - 18:30Neumünster (AP). Begleitet von einem massiven Polizeiaufgebot sind am Samstag rund 400 Rechtsextremisten durch die schleswig-holsteinische Stadt Neumünster gezogen. Die Demonstration unter Führung des Neonazis Christian Worch musste wegen Sitzblockaden und vereinzelter Steinwürfe aus einer Gruppe von rund 150 Gegendemonstranten umgeleitet werden.
Bis zum Ende des knapp dreistündigen Protestmarsches am Nachmittag gab es nach Polizeiangaben keine Verletzten. Insgesamt waren 880 Polizeibeamte im Einsatz.
Das Bundesverfassungsgericht hatte den Aufzug am Freitag unter Auflagen in letzter Instanz genehmigt. Die Demonstration richtete sich gegen die geplante Schließung des so genannten "Clubs 88" in Neumünster. Der seit dreieinhalb Jahren betriebenen Gaststätte, für die auf rechtsextremen Internet-Seiten als Treffpunkt geworben wird, soll die Konzession entzogen werden.
Am Morgen hatten Redner von Gewerkschaften und Komunalpolitik auf einer Gegenveranstaltung vor etwa 300 Kundgebungsteilnehmern die Schließung des Clubs verlangt. Zugleich äußerten sie Unverständnis darüber, dass das Bundesverfassungsgericht die Demonstration der Rechtsextremisten zugelassen hat. Ein Teil der Kundgebungsteilnehmer schloss sich nach Beginn des Aufmarschs der Neonazis am Mittag spontan einer Gegendemonstration an.
Die Polizei hatte bereits am Morgen großflächig um Neumünster herum damit begonnen, anreisende Fahrzeuge nach Waffen zu kontrollieren. Die Grünen-Bundestagsabgeordnete Angelika Beer forderte im Norddeutschen Rundfunk einen gesellschaftlichen Konsens darüber, dass eine offenes Bekenntnis zu Rechtsextremismus wie am Samstag in Neumünster nicht toleriert werden dürfe. Erst dann würden auch Gerichte anders entscheiden als jetzt, sagte sie.
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