Konflikt zwischen Farmern und Schwarzen in Simbabwe: Regierungsgegner mit Axt ermordet
zuletzt aktualisiert: 25.04.2000 - 18:45Harare (dpa). In Simbabwe sind nach Angaben der Opposition zwei Regierungsgegner ermordet worden. Die Bewegung für demokratischen Wechsel (MDC) erklärte am Dienstag in Harare, ein Mann sei Ostermontag von Anhängern von Präsident Robert Mugabe mit einer Axt erschlagen, ein weiterer in der Hauptstadt Harare umgebracht worden. In Harare gedachten hunderte weißer Simbabwer bei einem Gedenkgottesdienst des weißen Farmers David Stevens, der vor zehn Tagen von Landbesetzern ermordet wurde.
Stevens war das erste Opfer von so genannten Kriegsveteranen, die mit Billigung von Präsident Mugabe Farmen von weißen Siedlern mit Gewalt besetzen. Sollten sich die Oppositionsangaben bestätigen, sind bislang acht Menschen getötet worden. Über 1 000 Höfe wurden in den vergangenen zwei Monaten überfallen. Die Bundesregierung in Berlin ist über die Entwicklung besorgt und sieht die Entwicklungs- Zusammenarbeit gefährdet. Eine Einstellung der laufenden Vorhaben sei zur Zeit indes nicht geplant, weil sie in erster Linie der Armutsbekämpfung dienten, erklärte die Regierung auf Anfrage der CDU/CSU-Fraktion.
In einem BBC-Interview sagte die Witwe des am Dienstag beerdigten Farmers, Marie Stevens: "Die Menschen sind hier völlig verängstigt. Die Einschüchterungskampage der Regierung funktioniert." Zu dem Gedenkgottesdienst seien auch die schwarzen Arbeiter von Stevens eingeladen worden. Ihnen sei aber von bestimmter Seite unmissverständlich klar gemacht worden, die Messe nicht zu besuchen.
Nach den Übergriffen gegen die weißen Eigentümer gelten die Angriffe nun den Schwarzen, die für weiße Farmer arbeiten. In jüngster Zeit wurden zahlreiche Arbeiter von Schlägerkommandos überrascht und brutal zugerichtet. Von ihnen wurde erst abgelassen, wenn sie versprachen, sich ab sofort hinter Staatschef Mugabe zu stellen.
In Wedze, 120 Kilometer südöstlich von Harare, wurden Farmarbeiter nach eigenen Angaben von 150 Kriegsveteranen aus dem Unabhängigkeitskrieg zusammengeschlagen. "Sie drohten uns zu ermorden, weil wir der Opposition nahe stünden", sagte ein Arbeiter. Nach Informationen eines Vorarbeiters wurde die gesamte Ernte von 110 Tonnen Tabak verbrannt. Simbabwe ist weltweit der zweitgrößte Exporteur von Tabak.
Am kommenden Donnerstag wird eine Regierungsdelegation aus Simbabwe in London erwartet. Vor der Aufnahme von Verhandlungen über mögliche Finanzhilfe für eine Landreform verlangt Großbritannien jedoch ein Ende der Gewalt in seiner ehemaligen Kolonie.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum

