Literaturkritiker fordert wie Günter Grass eine Umkehr: Reich-Ranicki: Chaotische Rechtschreibung
zuletzt aktualisiert: 07.08.2000 - 06:58Frankfurt/Main (dpa).- Durch die Rechtschreibreform ist nach Meinung des Literaturkritikers Marcel Reich-Ranicki "ein chaotischer Zustand" entstanden. "Ich möchte heute kein Kind sein, das lernt, oder ein Lehrer sein, der lehrt", sagte er in Frankfurt.
Da die neue Rechtschreibung nicht akzeptabel sei, müsse sie überarbeitet werden. "Ich meine aber auch, dass die, die es angerichtet haben, nicht befähigt sind, das zu ändern. Andere sollen sich damit beschäftigen." Reich-Ranicki wertete es als ernstes Zeichen, "wenn alle Schriftsteller des Landes heftig gegen die Reform protestieren".
Außerdem sei es bezeichnend, dass Schriftsteller die Rückkehr der "Frankfurter Allgemeine Zeitung" (FAZ) zur alten Schreibweise begrüßten. Zwar stehe die ältere Generation Veränderungen meist nicht besonders offen gegenüber, "aber in diesem Fall sind ja auch die jüngeren Schriftsteller dagegen". Er sei "sehr erfreut", dass die FAZ zur alten Rechtschreibung zurückgekehrt sei, meinte Reich-Ranicki. "Es war höchste Zeit."
Auch Grass fordert Umkehr
Auch Literaturnobelpreis-Träger Günter Grass hat eine Rückkehr zur früheren Rechtschreibung gefordert. Das entspräche dem Willen der Mehrheit der Bürger, schrieb Grass in einem verbreiteten «Aufruf an die deutschsprachige Presse». Die übrige Presse solle dem Beispiel der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung» folgen. Das Festhalten an einem misslungenen Reformversuch gegen den entschiedenen Willen der Bevölkerung widerspreche der demokratischen Verhaltensweise, schrieb Grass.
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