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Georgensgmünd/Roth
"Reichsbürger" schießt auf Polizisten

Georgensgmünd/Roth. In Bayern werden vier Beamte verletzt, einer von ihnen lebensgefährlich.

Ein sogenannter Reichsbürger hat bei einer Razzia in Georgensgmünd bei Nürnberg auf Polizisten geschossen und vier von ihnen verletzt. Am Abend meldete die Polizei zunächst, dass einer der Beamten seinen schweren Verletztungen erlegen sei - das dementierte die Einsatzzentrale aber kurz darauf wieder.

"Reichsbürger" erkennen die Bundesrepublik Deutschland nicht als Staat an. Stattdessen behaupten sie, das Deutsche Reich bestehe bis heute fort. Häufig legen sie dabei die Grenzen von 1937 zugrunde. Daher sprechen sie dem Grundgesetz, Behörden und Gerichten die Legitimität ab und akzeptieren auch amtliche Bescheide nicht.

Der schwer verletzte 32 Jahre alte Beamte eines Spezialeinsatzkommandos (SEK) wurde nach Darstellung von Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) operiert. Ein zweiter SEK-Beamter (31 Jahre alt) habe einen Durchschuss am Oberarm erlitten, zwei weitere Polizisten (beide 37 Jahre alt) seien durch Glassplitter verletzt worden.

Ein 49 Jahre alter Mann hatte am Morgen das Feuer auf die Beamten eröffnet, als diese in sein Haus eindrangen. Der Jäger, der 31 Lang- und Kurzwaffen zunächst legal besessen hatte, galt bei den Behörden als nicht mehr zuverlässig. Daher sollten ihm seine Waffen entzogen werden. Zuvor hatten die Behörden seinen Jagdschein sowie seine Waffenbesitzkarte für ungültig erklärt.

Der Mann wurde bei dem Einsatz festgenommen. Gegen ihn wird wegen versuchten Mordes ermittelt. Ein Haftantrag sei gestellt, und der 49-Jährige werde heute einem Ermittlungsrichter vorgeführt, erklärte die Staatsanwaltschaft. Aufgrund des Vorfalls sollten nun alle bekannten "Reichsbürger" in Bayern einer grundlegenden Überprüfung unterzogen und die Bewegung stärker in den Blick genommen werden, kündigte Herrmann an. Auch die Bundesregierung will die Einschätzungen über die Gruppierung überprüfen. Der "erschreckende Vorfall" werde sicher Anlass sein zu schauen, ob die bisherigen Bewertungen Bestand hätten, sagte ein Sprecher des Innenministeriums. Der Verfassungsschutz beschäftige sich seit Längerem mit "Reichsbürgern", von denen sehr viele als Einzelpersonen und in Kleinstgruppen aktiv seien.

(dpa)
 
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